#32: Tierische Präparate und eine zoologische Sammlung
Shownotes
Heute geht es ums Retten und Bewahren. Und ums Präsentieren. Ein zoologischer Präparator und der Leiter einer zoologischen Sammlung im Gespräch.
Präparierte Tiere sind für eine naturkundliche Sammlung unverzichtbar. Wir sprechen mit dem zoologischen Präparator Peter Mildner, der fast 50 Jahr lang am Friedenstein gearbeitet hat. Der Leiter des Zentralmagazins Naturwissenschaftliche Sammlungen der Universität Halle Dr. Frank Steinheimer nimmt uns mit in die große, weite Welt des Tieresammelns. Ethisch vertretbar oder nicht? Wir werden es erfahren.
Beitrag 1 Der Angolalöwe Bono lebte einst im Zoo zu Halle. Heute ist er – als Präparat – im Westturm von Schloss Friedenstein zu Haus. Er lässt sein Leben und vor allem sein Wiederaufleben Revue passieren.
Beitrag 2 Dr. Andreas Karguth steht seit 21 Jahren den „Museumslöwen“, der Gemeinschaft zur Förderung des Museums der Natur Gotha, einem der Friedensteiner Freundeskreise, vor. Zusammen mit seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern organisiert er Feste, Vorlesungen, Bildungsreisen und viele andere Angebote rund um die naturkundliche Sammlung der Friedenstein Stiftung.
Das Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Universität Halle/Saale findet ihr hier: https://www.naturkundemuseum.uni-halle.de/
Wer sich für den Förderverein „Museumslöwen“ interessiert, wird hier fündig: https://museumsloewen-gotha.de/
Peter Mildners Lebenswerk hat sogar „Die Zeit“ beeindruckt: https://www.zeit.de/news/2026-02/27/loewenstarker-abschied-gothaer-praeparator-geht-in-ruhestand
Über Pittis Abschied hat auch Oscar am Freitag berichtet: https://www.oscar-am-freitag.de/beitraege-gotha/die-gothaer-loewenprozession-und-die-verabschiedung-von-peter-mildner/
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Es ist alles echt, aber es ist eben nicht echt. Also, es ist ja nur die Haut und die Haare oder Haut und die Federn.
Den Bono, den haben wir ja speziell auch begrüßt, indem wir eine spezielle Prozession gemacht haben.
Und das ist möglicherweise die einzige Augensammlung, ich wüsste, von keiner anderen in Europa, in Deutschland, sowieso. Die Natur ist da grausam in der Hinsicht.
Friedensteinfunk, der Podcast der Friedenstein Stiftung Gotha. Folge 32: Tierische Präparate und eine zoologische Sammlung.
Hallo und herzlich willkommen zu unserer neuen Folge, Folge Nummer 32. Es ist tierisch heiß hier. Wir sind nämlich im Ostgarten von Schloss Friedenstein. Es ist unsere Sommerfolge. Es ist nicht nur tierisch heiß, sondern es wird auch tierisch in dieser Folge. Ich habe heute zwei wunderbare Gäste, die zwar aus dem gleichen Feld kommen, aber aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln der Sache nähern. Einmal Peter Mildner, von uns einen gekannt als Pitti. Er ist unser zoologischer Präparator gewesen bis Februar. Hallo Pitti. Hallo. Schön dich wiederzusehen.
Ja, ebenso.
Und dann sitzt hier noch Dr. Frank Steinheimer, er ist der Leiter des Zentralmagazins Naturwissenschaftlicher Sammlungen an der Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg seit 2010.
Genau, hallo.
Hallo. Ja, hallo. Und zu Beginn schalten wir gleich mal rüber in den Westturm, denn dort liegt der Grund, warum wir in dieser Runde zusammensitzen.
Katze 1
Was macht der denn hier?
Katze 2
Wer denn?
Katze 1
Der dicke da.
Katze 2
Auf dem Sockel? Ja, der ist neu. Haben sie doch neulich hier aufgestellt.
Katze 1
Ohne uns zu fragen. Der versperrt die Sicht auf die Hauskatzenvitrine.
Katze 2
Ist doch egal. Sieht doch ganz nett aus, der Kollege. Ziemlich wuschelig.
Katze 1
Sieht nett aus? Keine Ahnung! Hat sich ja noch nicht einmal zu uns umgedreht. Hej, Kollege! Guck mal rüber!
Bono
Das geht leider nicht.
Katze 1
Geht nicht?!?
Bono
Ich muss den Besucherinnen und Besucher freundlich entgegenblicken. Das ist meine Aufgabe.
Katze 2
Siehste, der Wuschel ist beschäftigt.
Bono
Wuschel, also wirklich! Ich bin der König der Tiere, unschwer erkennbar an meiner prächtigen Mähne. Und ich bin – bei aller Bescheidenheit – ein Highlight und Hingucker. Bono der Angolalöwe, einst wohnhaft im Bergzoo zu Halle, jetzt im Westturm des Friedenstein. Würdevoll und unaufgeregt sitze ich hier, neige vornehm mein Haupt und blicke die Besucherinnen und Besucher aus meinen sanften, bernsteinfarbenen Augen an: „Willkommen, willkommen bei den Tieren im Turm“, scheine ich ihnen zuzuraunen. Und in ihren Blicken sehe ich Ehrfurcht und Bewunderung.
Meine schönen Augen, meine wuschelige Mähne, meine wohlgeformte Schnauze, mein athletischer Körper, nun, all das verdanke ich dem begnadeten Tierversteher und kongenialen Tiernachempfinder Peter Mildner. Genannt: Pitti.
Er hat mich aus dem Fell des verstorbenen Zoolöwen Bono zu neuem Leben erweckt. So wie uns alle hier, bei den Tieren im Turm. Ob Panther, Python, Seeelefant, Eule, Pinguin oder Ratte – wir alle sind durch Pittis geschickte Hände gegangen und wurden in seiner Werkstatt – wenn ich so sagen darf – zu neuem Leben erweckt.
Nie hätte ich gedacht, dass ein Zweibeiner sich so umfassend in jedes einzelne von uns Tieren einfühlen und aus diesem Einfühlen heraus so täuschend echte Präparate erstellen kann. Ich zum Beispiel: Obwohl von mir nur noch ein flach zusammengelegtes Löwenfell übrig war, fühle ich mich jetzt, nach Pittis Auferweckungswunder, fast wieder so wie früher, als ich im Löwengehege des Bergzoos zu Halle über meine Löwinnen und die Besucher wachte. Ein Löwe voller Würde und Eleganz – wie es auch schon zu Lebzeiten meine Art war.
Katze 1
Also, meinen Charakter hat er auch gut getroffen. Obwohl: Den ganzen lieben langen Tag fauchen, das ist auf die Dauer auch etwas anstrengend.
Katze 2
Und ich… ich räkel‘ mich gerne noch etwas und … lass es mir gutgehen, wie schon zu Lebzeiten… ganz nach Katzenart.
Bono
Ja, ihr schiebt eine ruhige Kugel. Ihr wohnt ja auch in der Hauskatzenvitrine, gut geschützt hinter Glas. Ich hingegen throne frei auf meinem Sockel und wirke so echt, dass die besorgten Museumsleute ein Schildchen haben aufstellen lassen: Bitte nicht anfassen.
Wäre doch schade, wenn ich gleich wieder fleckig oder fettig würde. Denn – bei aller Bescheidenheit – bin ich nicht nur hier bei den Tieren im Turm, sondern auch in Pittis Lebenswerk etwas ganz Besonderes. Nach fast fünf Jahrzehnten, die er als Präparator auf dem Friedenstein tätig war, durfte er an mir nun sein Alters- und Meisterwerk vollenden. Er hatte wohl schon Miniaturlöwen aus zerknitterter Alufolie, Bäckertüten oder Käserinden erschaffen – Sie müssen wissen, Pitti verwandelt alles, was ihm in die Finger kommt in anatomisch beeindruckend korrekte Tiermodelle. Einen echten Löwen allerdings, den hatte er noch nie präpariert. Neun Monate ging er – wenn ich das so sagen darf – mit mir schwanger, bevor ich wie ein Phönix der Asche entstieg und nun, rätselhaft und elegant wie eine Sphinx das Geschehen bei den Tieren im Turm überwache. Willkommen, willkommen, liebe Besuchende. Aber bitte: nur gucken und nicht anfassen…
Ja, Pitti, hat er denn Recht? Bist du ein begnadeter Tierversteher oder ein kongenialer Tiernachempfinder? Oder bist du einer ... Was genau bist du?
Also ich befasse mich ja seit meiner Kindheit mit der Funktionsweise von Tieren. Ich hab die immer beobachtet und dann warum ist das so und so. Hab die modelliert, gezeichnet, also immer beobachtet. Und ja denke, dass ich das ganz gut nachempfinden kann im Normalfall.
Ich hab bei dir, als wir uns neulich noch mal in deiner Werkstatt trafen, hattest du auch eine Liste dabei mit 117 Berufen, die dir Leute mal angedichtet haben, was du sein könntest eigentlich auch. Was vom Arzt bis zum, es war sehr viel, auch Presse war auch dabei. Und ja, aber du bist so logischer Präparator. Vielleicht könntest du noch mal erzählen, was du genau gemacht hast. Also ich kann mich zum Beispiel erinnern, als ich dich zum ersten Mal gesehen hab. Das war, glaube ich, 2015. Das war bei der Museumsnacht. Und da saß du an einem Tisch und hattest einen Vogel in der Hand. Das war glaube ich ein Vogel, der irgendwo an eine Scheibe geflogen war und tot war. Und du hast ihn da einfach mal umgestülpt und hast den Kindern da ist die Liste. Pitti hat hier gerade die Liste ausgefaltet mit den ganzen Berufen, die ihm angedichtet wurden. Es ist dabei der Tierarzt, Schuhmacher, Puppenmacher und Pressesprecher, Moderator. Könntest du eigentlich an dieser Stelle übernehmen?
Nein.
Also ist Bono auch so nach dem Prinzip entstanden, wie du das damals bei der Museumsnacht vorgestellt hast? Also die Haut separiert, ein Modell gebaut. Das haben wir auch sehr schön bei Tiere im Turm zu sehen. Das ist anhand einer Amsel zu sehen, aber war das da auch ungefähr so?
Nein, ganz und gar nicht. Also, dieses Tier wurde enthäutet, die Haut soweit fertig vorbereitet. Dann wird ein künstlicher Körper hergestellt, auch aus Kunststoff, so ähnlich wie bei Bono. Allerdings nur der Rumpf und der Rest, also die Gliedmaßen, die Flügel und die Beine, die werden verdrahtet, und der Schwanz, der Kopf, der Hals. Das Ganze wird dann in der Haut montiert, wird zusammengesetzt. Und dann kommt dieser Federball da drüber, praktisch die Haut mit den Federn und das wird dann... In der Art und Weise, wie das Tier sitzen soll, dann auf irgendeinen Podest gesetzt.
Nicht zu vergessen, die Kunstaugen einzusetzen.
Ja, da hab ich jetzt meinen Katalog leider nicht mit, da habe ich zwei Kataloge drüber geschrieben.
Also, ja.
Über die Augen der Vögel Europas und über die Säugetiere.
Du hast doch auch eine große Augensammlung bei uns im Perthes-Forum.
Das stimmt. Und zwar nicht Glasaugen für Tierpräparate, die habe ich auch, aber das sind die originalen Augäpfel von ungefähr zweieinhalbtausend Individuen, mal ein Auge, mal zwei Auge je nachdem, wie man die dann entnommen hat. Und das ist möglicherweise die einzige Augensammlung, ich wüsste, von keiner anderen in Europa, in Deutschland sowieso. Also, kenne ich nicht, dass irgendwo Augen, explizit Augen gesammelt wird. Nicht Glasaugen, sondern eben die original Augäpfel.
Kommen wir nochmal zurück zum Vogel. Du hast den Kindern damals gezeigt, wie du damit umgehst mit so einem Wesen. Würdest du beschreiben, wie Bono zum Beispiel Bono wurde?
Also wie ja das Präparat wurde.
Ja, also wie er denn löse wurde.
Man liebt ja im Normalfall ein Prozedere, so ein Tier zu präparieren. Entweder als zusammengesetztes, taxidermisch hergestelltes Objekt wie ein Vogel. Während Bono eine sogenannte Dermoplastik ist. Das kommt von Derma, die Haut, und Plastik, und unter dieser Haut ist eine Plastik, also aus einem Stück bestehend. In dem Falle aus einem Schaumstoff, ein harter Schaustoff. Früher hat man das auch teilweise modelliert, in Ton, abgeformt, in Gips. Oder es gab auch in der Historie Präparatoren, unsere Vorahnen, die das teilweise mit Heu streng gewickelt haben, genäht haben, so ganz akkurat, so eine Methode, große Säugetiere, eben ziemlich naturgerecht. Wieder auferstehen zu lassen. Und bei mir war es tatsächlich eben mit diesem Kunststoff, Schaum. Und die Besonderheit bei dem Bono war tatsächlich, dass der vor zehn Jahren zur Halle gestorben ist. Da war er 15 und dann wurde der fachgerecht abgezogen. Dann wurde das Fell gegerbt. Aber als flaches Fell vielleicht kennt jeder diese Dinner-for-One-Situation, wo der Diener dann immer über dieses Fell vom Tigerwasser oder Eisbär oder irgendwas drüber stolpert. So flach muss man sich vorstellen. Auch die Haut, das Fell vom Bono, das hing im Zoo irgendwo über einer Stange oder so. Der Kopf war unten an der Unterlippe aufgeschnitten. Also richtig flach und trocken, also leicht beweglich.
Ich dachte, es lagerte ein Zentralmagazin in Halle, und das ist ... Nee.
Zu guter Letzt dann schon.
Ja, das war praktisch eine kurze Zwischenstation.
Wir haben die Tiere aus den Gefriertruhen des Zoos, die übernehmen wir immer von Zeit zu Zeit, um dann zu entscheiden, ob wir was präparieren und da war das dann mal dabei.
Und das war eben eine gegerbte, fertig gegerbte Haut. Hatte den Vorteil, es ist erhalten geblieben, das Fell von Bono. Aber den Nachteil für mich, ich hatte keinerlei Maße, wie groß das Tier war. Da muss man einen künstlichen Körper erschaffen. Und da hab ich mich dann der Erfahrung von einem Kollegen bedient, Wolfgang Hauser, der also so einen Löwen modelliert hatte. Die Körperhaltung, die mir vorschwebte, die hatte ich schon vor zehn Jahren mal einem unserer Stiftungsdirektoren gezeigt, wie ich mir das vorstellen könnte, diese Ausstellung im Katzenraum da zu erweitern, um einen Löwen, weil wir noch keinen Löwen hatten…
Wir haben ja noch jemanden hier sitzen. Ich wollte eigentlich auch noch vorstellen, was sie machen und wer sie sind. Also wir haben schon gesagt, aus Halle. Sie sind Ornithologe, Biologe und auch Umweltschützer, habe ich gesehen. Und sie forschen ja praktisch anhand der Arbeit, die Präparatoren leisten, oder? Kann man das so sagen? Für was braucht man eigentlich diese ganzen präparierten Tiere?
Genau, also ich verwalte eine naturkundliche Sammlung, eine sehr umfangreiche, 5,3 Millionen Objekte, also eine der großen in Deutschland. Ein Teil davon ist die zoologische Sammlung, das sind präparierte Tiere. Also da kommt ja oft die Frage, ist das alles echt, und wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sagen dann gleich mal, ja ja, ist alles echt. Bis auf die paar Modelle von ganz großen Tieren wie Wale, ist bei uns alles echt aber es ist eben nicht echt. Also es ist ja nur die Haut und die Haare oder Haut und Federn, die wir da wirklich zeigen. Es sei denn, wir haben ein Tier in Alkohol, dann ist das das ganze Tier mit Herz, Lunge, Muskeln, Magen und so weiter. Also, wenn wir mit diesen Präparaten forschen, forschen wir also wirklich nur mit der äußeren Hülle, die von Präparatorinnen und Präparatoren gestaltet worden ist. Und das ist auch noch mal der Punkt. Deswegen fand ich die Aussage von Peter Mildner, die ich letztendlich irgendwo gehört hatte, dass er so stolz ist, dass man seine Handschrift in dem... Präparierten Löwen nicht erkennt, total wesentlich, weil es gibt Präparate, die sehen wahnsinnig toll aus, künstlerisch gestaltet, aber es ist nicht so einfach, damit wissenschaftlich zu arbeiten, weil das nicht mehr ganz das reflektiert, was in der Natur eben zu sehen ist. Auf jeden Fall sind das alles Snapshots, also alles gefrorene Momente eines Tieres aus der Natur und es ist das nicht das komplette echte Tier, mit dem wir da arbeiten. Aber so hat sich die Biologie ein System erschaffen, um alle Tiere und Pflanzen, also die Pflanzen dann gepresst, dieser Welt zu benennen und zu kennen und sich darüber weltweit austauschen zu können. Dieses ganze System der Biologie beruht auf solchen Sammlungen mit toten Tieren.
Ist das da noch zeitgemäß?
Ja, also diese Tiere, das muss man ganz offen sagen, die sind ... Bis vor Kurzem alle dafür getötet worden. Die wenigsten sind von allein gestorben. Mittlerweile, ich kann es nur für meine Einrichtung sprechen, wir sammeln Wirbeltiere nur noch passiv, das heißt, alles, was zu Tode kommt. Es kommt aber wesentlich mehr zu Tode, als im 19. Jahrhundert für Sammlungen geschossen worden ist. Auf Straßen, illegale Abschüsse. Nur mal beispielsweise, wir sind Aufnahmestelle für bedrohte Wirbeltier. Und wir haben bei Biber 1.144, glaube ich, Zimmergerade, Wir haben Fischorder 940. Warum braucht man so viele? Ja, da kommt jetzt die Wissenschaft wieder rein. Kein Tier ist gleich dem anderen. Um wirklich eine statistische Aussage zu machen, ist es immer ganz gut, wenn man Masse hat. Aber wir sind auch dafür staatlich verpflichtet worden, die Todesursache zu erforschen. Und wenn man die Todessursache hat und das mit den Daten an diesem Tier hängt, dann ist es besser, das am Objekt aufzubewahren, als dass es nur in einer Datenbank, in einer digitalen irgendwo rumschwebt. Eine Publikation als richtig in den Publikationsorganen würde auch helfen, um das in die Nachwelt zu kriegen. Aber alles, was nicht publiziert ist, ist besser an einem Tier, an einem Präparat mit den Daten versehen, als dass man es irgendwo im digitalen, virtuellen Raum hat. Weil, wenn man mal zurückschaut, unsere Inventar-Bücher haben nicht alle überlebt. Aber die Sammlung zurück bis 1769 ist mehr oder minder da, weil physische Objekte sind sehr gut. Handhaben kann und beobachten kann, was mit dem passiert. Ich bezweifle, dass wir das mit digitalen Daten auch über 250 Jahre schaffen.
Ja, man muss ja auch erstmal die Daten gewinnen und das hat man eben anhand der Tiere dann getan.
Genau, man könnte natürlich dann das Tier wegschmeißen, wenn man die Daten gewonnen hätte. Das wird uns auch immer mal wieder so nahegelegt. Aber die Fragestellungen, die wir vielleicht in 100 Jahren an dieses Objekt haben, die kennen wir nicht und die mögen ganz anders sein. Und die Daten, also man hätte vor 50 oder 80 Jahren. Zum Beispiel die ganzen DNA-Analysen nicht denken können. Und hätte diese Chance, damit zum Beispiel Stammbaumforschung zu machen oder Krankheiten rauszufinden, oder die Zucht von Haustieren zu optimieren, alles nicht mehr leisten können, wenn wir das nicht aufgehoben hätten. Insofern macht es schon Sinn, dass man das investiert. Und das ist auch eine Investition in die Zukunft, um zu verstehen, wie unsere Welt sich ändert. Also alle rote Listen für ... Tiere, die, sag ich mal, von Insekten und kleiner beruhen auch nur auf diesen Sammlungen, weil rote Listen immer die Veränderung einer Art in der Zeit ist. Also wenn ich ein ganz seltenes Tier bin und schon immer ganz selten war, muss ich nicht zwingend in der roten Liste auf stark gefährdet stehen.
Mhm.
Weil das schon immer so war. Aber jetzt ist zum Beispiel der Star, ein ganz häufiger Vogel, den jeder noch sieht und überall rumfliegen sieht, auch auf die rote Liste gekommen, weil die Population sich trotzdem massiv verkleinert hat. Und so funktionieren Rotlisten. Und um diesen Abgleich zu schaffen, hat man diese Insekten-Sammlung. Da schaut man dann, okay, von diesem Ort haben wir in den Sammlungen von Sachsen-Anhalt oder von Thüringen oder von Sachsens diese ... Die und die so viele Tiere und kommen die heute an diesem Ort noch vor? Nein, wir können auch die Bestimmung noch mal verifizieren. Es kann sein, dass einer mal einen Fehler gemacht hat. Wir können heute das Insekt von vor 100 Jahren noch mal anschauen und sagen, ja es ist die Art und es kommt zum Beispiel aus dem Saaletal bei Naumburg. Da hatten wir eine Haarstrang-Wurzeleule, ganz seltener Nachtfalter. Und es gibt nur noch eine einzige Population mittlerweile in Sachsen-Anhalt, die man auch nur aufgrund von Sammlungsmaterial überhaupt identifizierend Ja, und dafür ist es dann.
Ja, wir haben nämlich vor ein paar Sendungen gelernt, dass wir eine der größten Hamstersammlungen haben. Das ist hier so ein kleiner Running Gag, aber da kann man, es ist ein schwarzer Hamster, ich glaube, das war das bedeutend.
Wir haben Hamster gehamstert. Das war Dr. Wolfgang Zimmermann, der inzwischen in Weimar lebt. Unser ehemaliger Direktor des Museums der Natur, 90 geworden letztes Jahr. Und der hat sich mit der Population der Schwarzen Hamster in Thüringen befasst damals. Und da sind die Bälge übrig geblieben. Und das ist wie so eine Asservatenkammer eigentlich, unsere Magazine. Du hast vorhin gesagt, in 50 oder 100 Jahren Fragestellungen möglicherweise hat, die wir gar nicht absehen können heute. Und dann kommt das wie in der Kriminologie, Cold Cases oder keine Ahnung. Wie war denn das damals? Den Fall rollen wir noch mal auf und dann müssen die eben wegen der DNA-Analyse oder wegen irgendwelcher Spuren, die man dann vielleicht hat, die Möglichkeiten zu untersuchen. Kann man nur an den Originalen was nachprüfen und nicht nach vermeintlich vollständigen oder wie auch immer erfassten Digitaldaten. Die sind zum Sortieren, zum schnellen Zuordnen, finde ich genial, dass man sagt, man hat eine Tabelle, die und die Tiere gibt es dort und dort, aus der und der Zeit vielleicht auch noch. Die Arbeit am Original. Er setzt das niemals. Selbst wenn man ganz tolle Scans, ich hab's auch selbst teilweise gemacht, die können noch toller sein, aber man bildet das Original nie nach. Die Seele kriegt man nicht rein, wir haben's schon gesagt, an den Bälgen oder aufgestellten Tieren, das nicht. Aber das physische Objekt ist eben noch da. Und alles, was man daran ablesen kann, das ist wie bei Fossilien, wir haben ja auch unsere Ursaurier, wir werden die lebenden Tiere auch nicht mehr zum Leben erwecken. Diese Originale der 300 oder fast 300 Millionen Jahre vorhandenen Knochen oder Fossilien, die kann man untersuchen mit immer wieder neuen Methoden, technischer Art oder gedanklicher Herangehensweise.
Hält sich das denn so lang oder braucht man dann auch wieder einen zoologischen Präparator, damit das nicht kaputt geht? Wie konserviert man so eine Sammlung?
Der Sammlungsschutz ist ein großes Ding, also präventive Konservierung, dass man sich um sehr viele Dinge kümmern muss. Es darf kein Licht auf die Objekte kommen, es dürfen keine Schadinsekten reinkommen. Dafür braucht man so eine Art Pestmanagementplan, aber letztendlich eine Tierhaut, das wissen wir von den ägyptischen Mumien. Hält ewig. Also wenn nicht ein Wasserschaden kommt, ein Tiefschall kommt, Insektenfraß oder ein Brand, dann halten die ewig, also wir haben Vögel aus dem Start des 19. Jahrhunderts, also die sind von 1800, 1810, die sind aus wie neu. Die haben einfach Glück gehabt, die waren nie im Licht gestanden, die war immer gut in einem nicht zu feuchten Raum und überleben.
Aus sich heraus halten die praktisch ewig, wie bei den Mumien, wegen 4.000 Jahre zu einem Teil oder so was. Nur wenn äußere Einflüsse da drauf einwirken und die Natur ist da grausam in der Hinsicht, die findet immer einen Weg, sowas zu recyceln. Wenn also Insekten drankommen oder Bakterien oder keine Ahnung, dann verstoffwechselt wieder, das ist Ressource.
Mhm.
Und die Mumifizierung damals oder die Präparation heute, genau genommen ist das eine Edelmumifizierungen, wobei der Unterschied zwischen Mumifizierung und Präparation sage ich immer, die Mumifizierung geschieht nie zum Zwecke des Anschauens. Es gibt natürliche Mumifizierung, die ist auch nie zum Zwecke des Anschauens. Die sind irgendwelche Moorleichen oder keine Ahnung, oder im Wind irgendwo in der Trocken, oder in der Garage gefunden, eine Katze, die da, oder ein Marder oder so, als Mumie. Oder damals die Pharaonen oder die Katzen und Ibis-Mumien, die sind nie zum Anschauen gewesen. Während die Präparation, immer die Vorbereitung, die Präparation zum Anschauen. Und wenn es der Wissenschaftler ist oder der Besucher, das unterscheidet es. Die Substanz an sich, die unterscheidet es. Beides ist eine organische Substanz und man versucht das zu erhalten.
Aber ein guter Punkt war, dass es schon nochmal einen Unterschied gibt, ob ein Objekt dann in die Schausammlung geht oder ins Museum oder eben nur für die Wissenschaft. Also zum Beispiel für die Wissenschaft, wir hätten keine Glasaugen eingesetzt. Wir haben massig an Säuger und Vogelbälgen, die haben alle keine Glasauge, weil das keine Rolle spielt, weil wir eh wissen, die sind artifiziell, die hat irgendjemand gekauft und dann entsprechend angemalt, stimmen nicht, brauchen wir nicht. Also insofern gibt es da schon noch mal einen Unterschied von dem Herrichten, wie man es präsentiert. Und was sich auch geändert hat, und vielleicht noch mal auf die Frage zurück, wie zeitgemäß das noch ist, es hat sich der Fokus noch mal gewaltig verschoben. Also wir fahren jetzt nicht mehr zwingend nach Afrika mit einer großen Expedition und knallen dort alles ab, um das dann hier zu erforschen. Und wir stehen auch nicht hinter Großwildjagd in dem Sinne mit diesen Sammlungen. Wir sind jetzt eben auf das Passive sammeln im eigenen Land, und das war im 19. Jahrhundert an, dass unsere Sammlung sind weltweit aufgebaut worden. Auch hier so eine fürstliche Sammlung, die wollten natürlich auch alles zeigen, was es so gibt. Die große Welt. Und das mal natürlich auch, wenn man da einen Löwen hatte, jetzt habt ihr ja endlich einen. Aber wir hatten uns einen Löwen als schon früher.
Seit wann?
Ja, es ist ganz früh das 20. Jahrhundert oder ganz spät das 19. So ungefähr.
Mh.
Ich weiß nur, welcher Präparator es war, der hat über diese Zeitspanne gewirkt. Es war übrigens damals auch schon ein Zootier. Der Präparator kannte das Tier, das sieht man dem Tier auch an, weil das einfach zu gut ist für diese Zeit. Der hat bei uns einen ganz kritischen Blick, dieser Löwe. Der Blick, den ein Löwe hat, wenn er sich überlegt, greife ich an oder renne weg, da steht mir jemand gegenüber. Diesen Blick muss man schon mal an diesem Tier sehen, um den Zoo präparieren zu können.
Bono greift nicht an.
Nee, der ist jetzt ganz friedlich da. Aber auf jeden Fall hat sich da dieses, dass wir mit diesen Sammlungen irgendwie auch eine Show machen oder angeben, ein bisschen geändert. Also, wenn man jetzt neues Material präpariert, ist auch so ein bisschen der Anspruch da, nicht damit nur anzugeben und zu zeigen, man hat es, sondern Anspruch, da diese Art zu vermitteln, wie so eine Art lebt, wie es sich gibt, wie sie sich ernährt. Manchmal auch das in Kontext noch zu setzen, zum Beispiel mit Dioramen oder so. Ich bin großer Fan von Dioramen. Wir haben nur leider überhaupt keinen Platz. Wir müssen alles immer in Vitrinen schichten. Aber Dioramen sind toll, weil sie gleich eine ganze Geschichte erzählen. Ich nenne das immer verdichtete Wirklichkeit, also dem Diorama... Wenn man so einen Wald hat, wir sitzen hier unter so einer schönen Blutbuche. Wenn man das als Diorama hätte, würde man nicht nur diesen lästig hinter uns schreienden Turmfeigen haben.
Das ist ein Turmfalke.
Ja, das ist der schreit da mit. Das sind wahrscheinlich junge Turmfeigen. Dann würde man jetzt hier auch noch das Wildschwein hinstellen, das Reh, ein Eichelhäher und ein Hirschkäfer hinsetzen, um diese verdichtete Wirklichkeit zu schaffen. Aber trotzdem steht man da vor und denkt, ja, das ist der Wald. Das ist das, was wir heute eben auch noch machen. Wir wollen auch dieses emotionale Gefühl vermitteln, Natur zu lieben und zu verstehen.
Ich wollte da noch mal fragen, weil Sie ja sagen, dass die Leistung praktisch von Herrn Mildner so besonders ist, weil Bono eben jetzt nicht künstlich ist oder so, sondern dass er so neutral ist. Also habe ich das richtig verstanden?
Wir haben ja hier so ein tolles Heft von diesen Weltmeisterschaften. Genau. Wenn ich da jetzt mal... Ach so, das ist das falsche Heft.
Achso, ist das falsch da drüben.
Naja, Europameisterschaft. Also es gibt Weltmeister- und Europameisterschaft. Und wenn man das jetzt sich so anschaut, das so durchblättert, dann sieht man oft, hier zum Beispiel, hier haben wir einen Raubwürger im Winter. Auf dem Bild. Also Raubwürger ist so ein amselgroßer Vogel, grau-schwarz-weiß. Der hat vorne einen Haken am Schnabel. Der frisst auch kleine Wirbeltiere. Und da der aber ein Singvogel ist, kann der Raubwürger die nicht mit den Füßen halten, wie ein Greifvogeln das machen würde, um die kleinen Happen sich rauszunehmen, sondern der spießt die auf. Und ich kann es nicht ganz erkennen, aber ich glaube, es ist ein Polarbirkenzeisig, was er da jetzt aufgespießt hat, auf einen Dornen… Das ist halt mit dabei. Da ist eine ganze Geschichte erzählt jetzt und dann mit so Kunstschnee. Und das ist schon ein bisschen, wie soll ich sagen, sehr üppig in der Gestaltung.
Wie die Dichtung. Daher kommt das wahrscheinlich, da wurde etwas verdichtet vom Gedanken und da ist eben auch verdichtet.
Genau. Und ich finde es jetzt bei Peter Mildners Löwen eben so gut, weil der wirklich ... Nicht nur als Schauobjekt wirkt, sondern auch noch als wissenschaftliches Objekt nutzbar ist. Weil er eben nicht im Sprung eines Jaguars, der noch einen Ara in der Luft fängt. Weil ich diese Tiere nicht mehr zum Beispiel vermessen kann. Die sind schon einfach so arg strukturiert, dass ich zum Beispiel nicht mehr sehen kann, was ist die Schnauzen-Schwanz-Länge oder was ist jetzt wirklich die Länge der Gliedmaßen. Und hier ist es also relativ nur drei gehalten und trotzdem ein wahnsinnig schönes Schauobjekt, das fasziniert, dem man die Augen schauen kann. Und da ich Wissenschaftler bin, bin ich mehr Fan von so einer Gestaltung, als wenn man den Tieren immer noch so viel Beigaben dazu gibt, die für die Forschung jetzt nicht so notwendig sind.
Im Laufe der Jahrzehnte hat sich tatsächlich auch die Art und Weise, wie man Tiere darstellt, verändert. Ganz ursprünglich war es sicher ein Zeit- und Platzmangel, wenn Wissenschaftler zu Forschungsexpeditionen aufgebrochen sind und dann eben Tiere tatsächlich geschossen, gejagt, gefangen haben. Und dann wollten die viele Objekte haben und die mussten in kürzester Zeit aufgearbeitet werden und auch platzsparend möglichst transportiert werden, dass sie dann meinetwegen nach Europa oder nach Nordamerika oder irgendwo hingekommen sind. Dort wurden die weiterverarbeitet in aller Regel. Und in den meisten Fällen hat man es, oder in vielen Fällen, hat man's nicht geschafft. Und daher, das ist meine Überzeugung, rührt dieses Verständnis, dass die wissenschaftliche Tätigkeit an den Objekten eigentlich mit dieser Erstellung des Balges schon seine Funktion erfüllt hätte. Man hat das Objekt bewahrt.
Wir müssen kurz erklären, was ein Balg ist.
Ach so, ja.
Also, ein Balg ist es nur beim Vogel oder beim Säugetier eine flach liegende, ein bisschen gestopfte Haut, wo man eben Schnabel und Füße noch drin hat oder den Schädel beim Säugetier. Aber sonst ist da nichts. Keine Glasaugen, die sind nicht aufgestellt, die haben keine weiteren Drähte mehr drin. Sind gut handhabbar. Manchmal haben wir sogar ein Stecken reingesteckt, damit man's besser halten kann zum Forschen. Das sieht aus wie so ein Eis am Stiel. Ja genau, das sind welche dabei.
Und wie gesagt, das war eine Notwendigkeit eigentlich, dass man auf möglichst kleinem Platz, und das musste schnell gehen. Und dann hat man das verfrachtet, wo man dann Zeit und Muße hatte. Brehm war ja auch so einer, also Alfred Edmund Brehm ist ja auch bekannt für seine Forschungsreisen zum Beispiel. Und der hat die dann später in Europa präpariert für Ausstellungen, für Herzöge verkauft oder in die eigene Sammlung verteilt. Und dann leiden natürlich Objekte tatsächlich, wenn die in Bedingungen kommen. Vier Licht, Mottenfraß, womöglich, oder irgendwas möglich. Und da sind dann die Wissenschaftler wieder nicht so happy, die sagen, ah... Wär besser in der Schublade geblieben. Besser in der Schublade geblieben, ne, so ungefähr. Aber es hatte eben zweierlei Zwecke zu erfüllen. Damals Repräsentation durch die Herzöge meinetwegen. Dann vielleicht auch hier den Schaueffekt. Und dann komm ich auf den Löwen zurück, eben solche, ich sag mal... Aktivitätshaltung, um es mal charmant zu formulieren, so wie man also ein Tier nicht auf Dauer angucken würde. In irgendeiner Pose erstarrt, wie man es vielleicht auf dem Foto darstellen würde, aber nicht so, dass man sagt, ja das ist eine geruhsame, ruhige Haltung und fürs Verständnis des Tieres reicht das auch, weil auch der Löwe nicht ständig in Action ist, wie wir so schön sagen.
Und bei dem Löwen, das ist jetzt nicht der typische Löwe aus dem Krüger Nationalpark, sondern das glaube ich ist ein angolischer Löwe gewesen. Also da sind die Löwen nicht ganz so häufig mehr in Westafrika. Also insofern ist das schon auch für die Forschung ein interessantes Exemplar.
Gigantische Mähne vergleichsweise, also da habe ich gestaunt.
Jetzt ist unser Gespräch ganz natürlich wieder beim Löwen angekommen. Und jetzt können wir noch mal den zu Wort kommen lassen, der dazu beigetragen hat, dass der Löwe nun hier ist.
Alle Wege führen zum Löwen – das gilt zumindest für uns heute und hier in Gotha. Ich stehe gerade bei den Tieren im Turm, im Katzenraum, Aug in Auge mit Bono. Und neben mir steht Dr. Andreas Karguth. Er ist der Vorsitzende eines der beiden Freundeskreise der Friedenstein Stiftung. Seine mehr als 200 Mitglieder haben sich vor allem der naturkundlichen Sammlung verschrieben. Und dieser Freundesverein heißt… ganz ohne Scherz: Die Museumslöwen. Und das schon lange vor Bono. Dass es zu diesem drolligen Namen kam, da hat auch wieder Pitti seine Finger im Spiel. Nicht wahr, Herr Karguth?
Na, der Name geht wirklich auf eine Idee von Peter Mildner zurück. Der war ja auch Gründungsmitglied von unserem Verein vor 21 Jahren. Und wir hatten überlegt, was wir machen, und er hat gesagt: „Na, da gibt's doch die zwei großen Löwen vorm Herzoglichen Museum, und: ‚Wie wär's denn mit Museumslöwen‘?" Und da haben wir gesagt: „Ja, okay, ist ein guter Name. Dann sind das eben die Museumslöwen.“
Und jetzt, zwei Jahrzehnte nach der Vereinsgründung, gibt es ihr Maskottchen auch in echt… oder jedenfalls fast…
Den Bono, den haben wir ja speziell auch begrüßt, indem wir eine spezielle Prozession gemacht haben, eine Löwenprozession. Wir wollten ihn eigentlich erst direkt durch die Stadt transportieren, das war uns dann doch zu heiß, beziehungsweise vom Wetter zu abhängig, und da haben wir dann gesagt, ne, wir bauen ein Modell… Da haben wir einen ehemaligen Mitarbeiter und Künstler hier von der Stiftung mit gewinnen können, und dann haben wir einfach vom Rathaus hier hoch so eine kleine Prozession gemacht mit einer kleinen Band davor, und das war ein Riesenerfolg auch.
Ist ja Löwen-Ehrensache!
Also der Löwe ist in den letzten Jahren das größte Objekt und natürlich das repräsentativste Objekt. Das war auch für uns zum 20-jährigen Bestehen auch so ein Geschenk, was wir uns damit verwirklichen konnten. Und wir haben aber immer schon auch die Sammlung mit unterstützt, auch mit kleineren Objekten, mit größeren Objekten, mit Ursauriermodellen, was also mit unserem finanziellen Rahmen möglich ist. Und wir haben in den Jahren des Bestehens etwa in Summe um die 170.000 Euro an Mitteln bereitgestellt, aber für uns ist es wichtig, sehr viel Zeit auch zu investieren, persönliches Engagement mit reinzubringen, und das ist mindestens, wenn man das in Geld umrechnet, mindestens noch mal die gleiche Summe, die da irgendwo mit dahinter steckt.
Und aus Geld, Zeit, Engagement und guten Ideen entstehen dann so erfolgreiche Angebote wie die Kinder-Uni in der Stadtbibliothek. Andreas Karguth:
Gotha hat ja selber keine Universität, also direkt jetzt hier vor Ort, und wir hatten uns dann gesagt, warum können wir nicht auch so etwas organisieren, wie das die Universitäten organisieren. Ich kenne das aus Ilmenau, weil ich dort studiert habe und auch gearbeitet habe viele Jahre, Und da haben wir dann irgendwann gesagt, wir versuchen das auf kleinem Niveau zu organisieren mit 4 Vorlesungen pro Jahr und haben dann renommierte Professoren angesprochen, also hochkarätige Wissenschaftler, und die waren dann auch immer gern bereit, Vorlesungen dann hier in Gotha mitzuhalten. Und das wird dann, wie gesagt, 4-mal im Jahr, jeweils an einem Sonnabend organisiert, und da dürfen dann nur Kinder teilnehmen. Und die Eltern müssen dann draußen warten oder müssen die Zeit irgendwie überbrücken, und das wird also unheimlich gut angenommen.
Universität, Bildung, Nachwuchsförderung am Standort Gotha – das klingt nach einer gutdurchdachten und zukunftsfähigen Idee, von der alle etwas haben, nicht wahr, Herr Karguth?
Erstens ist hier ein Riesensammlungsschatz vorhanden. Wenn man mal die Anzahl der Objekte nimmt, die die Stiftung, die Friedenstein-Stiftung Gotha beherbergt: Über die Hälfte der Objekte naturkundliche Objekte. Also das ist schon ein Riesending, und wir glauben, dass dieser Schatz auch bewahrt werden muss und weitergetragen werden muss, und wir glauben auch, dass die naturkundliche technische Bildung, wenn man das dann also auch in einem Bildungskonzept ummünzt, diese Sammlung oder das dafür nutzt für solche Dinge, dass das sehr, sehr wichtig ist, gerade für unsere Region, sowohl was die Identität anbelangt, als auch was die Zukunftsfähigkeit anbelangt. Denn ich glaube, dass viele Eltern sich auch entscheiden, hierher zu kommen, ihren Beruf hier zu ergreifen, wenn sie sehen, aha, das ist auch ein tolles Umfeld, da gibt es also Naturkundemuseum, gibt ein Kunstmuseum, ich hab also dies und jene Angebote, und das ist also schon wichtig dann auch, und deshalb haben wir gesagt, wir wollen das unbedingt erhalten, diesen Teil, also die dieses Museum der Natur.
Mittelfristig träumen die Museumslöwen davon, dass die naturkundliche Sammlung wieder in ein eigenes Gebäude einzieht. Bis dahin stellen sie weiterhin Feste, Vorlesungen, Prozessionen, Exkursionen und andere originelle Aktionen auf die Beine.
Ja, das ist eine Menge Arbeit, aber es macht auch unheimlich Spaß. Und wenn man sieht, dass auch die Vereinsmitglieder mitziehen und dass was rauskommt und dass wir auch bei großen Veranstaltungen dann großen Zulauf haben oder bei der Kinderuni. Wenn dann ein kleiner Junge kommt und ich frage: Was möchtest du denn werden? Ja, ich möchte Ingenieur werden, ich möchte genau Roboter bauen und so was. Das freut einen natürlich, wenn man das so mitkriegt.
Die Museumslöwen blicken also voller Tatendrang in die Zukunft. Sie haben ihre Ausdauer und ihre Löwenkräfte bewiesen. Und sie werden die Friedenstein Stiftung ganz sicher auch in Zukunft begleiten.
Und damit zurück in unser Open-Air-Studio im Ostgarten zu Susanne, Pitti und Frank Steinheimer… wo es gerade um präparierte Tiere für den Hausgebrauch geht, wenn ich das richtig gehört habe…
Was wäre jetzt, wenn jemand zu Hause ein Präparat hat? Oder kann man das dann einfach abgeben oder wenn jemand was überfährt? Wie geht man mit so was um?
Also erst mal müssen wir aufpassen, dass wir die Naturschutzvorgaben alle einhalten, also normalerweise muss jedes geschützte Wirbeltier bei der Unteren Naturschutzbehörde registriert sein, dass man es legal besitzen darf und wenn das jetzt der Fall wäre und man das uns anbietet, kommt es drauf an. Also datenlose Objekte, was weiß ich, der Fuchs vom Großvater, verstaubt, schon kaputt, würde ich sagen, kann man eigentlich auch entsorgen. Wir nehmen allerdings doch immer mal wieder solche Kuriositäten auf, weil wir auch sehr viele Anfragen von Künstlerinnen und Künstlern haben, von dem Theater, dass man was für die Bühne braucht, einen echten Fuchs. Und wir dann natürlich nicht unsere datierten, wissenschaftlichen Objekte rausgeben wollen und dann froh sind, wenn man in dieser Kuriositätenkammer noch irgendwas hat, was man denen dann zur Verfügung stellen kann. Das Problem sind tatsächlich immer diese Auflagen, die behördlichen, und dass wir nicht wissen, wie das präpariert worden ist. Sehr viele Säugetiere und Vögel wurden im 19., sagen wir, seit 1806 bis in die 1970er-, 80er-Jahre mit Arsenlauge präpariert. Arsenlauge gilt heute als ein krebserregendes Gift, dass man… durch das Einatmen des Staubes kann das Lungenkrebs verursachen. Dass man als Arsen richtig durch eine Vergiftung, wie bei Arsen und Spitzenhäubchen, kriegt, da muss man schon das Tier abschlecken, das macht wahrscheinlich keiner, aber dieser Staub ist relativ gefährlich. Aber was ich im Moment aufnehme, was ich nie gedacht hätte, sind zum Beispiel Auerwild, also Auerhuhn, Auerhahn-Präparate, weil das Tier so selten wird in Deutschland, wahrscheinlich in den nächsten zehn, 15 Jahren außerhalb Schwarzwald, Bayerischer Wald und den Alpen aussterben wird. Ich weiß nicht, ob die Population im Thüringer Wald es schaffen wird. Im Nürnberger Reichswald gibt's noch zwei, drei Versprengte. Dass man diese Art dokumentiert, wie sie war. Da kommt man zu einem Punkt, ich nehme im Moment mehr auf, als dieser logische Verstand sagt, aber ich hab mir jetzt vorgenommen, das noch zu dokumentieren, was da ist, weil ich glaube, erstens, die, die solche Tiere zu Hause haben, also Insekten-Sammler zum Beispiel, wir haben da einen Schnitt von 80 Jahren im Moment von Leuten, die noch Insekte sammeln, die sterben aus, die taxonomische Kenntnis stirbt aus, die Tiere verschwinden. Wir würden die in 10, 15, 20 Jahren nicht mehr sehen. Wo sammel ich heute noch eine Haubenlerche oder ein Rebhuhn? Also Rebhuhn geht vielleicht noch im Fränkischen, aber Haubenlerche wird ganz, ganz schwierig in Deutschland noch zu sammeln oder ein Rotkopfwürger oder so, die sind ausgestorben. Also wäre es jetzt schade, wenn man eine Schulsammlung nicht aufnehmen würde, wo so ein Exemplar drin ist. Und ich sag mal, 20, 30 Jahre kommen noch Sammlungen rein und dann gibt es gar nichts mehr. Dann haben wir ein Zeitfenster dokumentiert, in meiner Sammlung, so von 1769 bis, sag ich mal, 2040, 50, und danach kommt nichts mehr. Und mit diesem Zeitfenster verstehen wir aber dann das, was mal da war. Auch jetzt mit Klimawandel wird es massive Umwandlungen geben, unsere Heimat, und wir haben einmal noch mal dokumentiert, was hier war.
Sind sie deshalb Umweltschützer geworden, weil sie das so massiv sehen, wie sich das verändert.
Ich hab meinen Zivildienst, beim Naturschutz gemacht, beim Landesbund für Vogelschutz. Und ich war schon als Kind immer so, oh, das muss alles gerettet werden und ich lieb das. Und eigentlich kommt man ja zum Naturschutz, weil man das, was man liebt, nicht verlieren will. Es ist ja erst mal eine sehr persönliche Sache.
Übrigens auch die Präparation kommt auf dem Weg. Man möchte es irgendwie erhalten, was dann allerdings dann schon gestorben ist. Ob das wieder Aquarienfisch ist oder ein Igel, den man irgendwie über den Winter gefüttert hatte, der dann nächsten Tag überfahren war oder irgendwas dann erhalten.
Genau, das ist ja was zutiefst Menschliches. Deswegen sammelt man auch alte Fotografien von seiner Verwandtschaft und so weiter. Aber mittlerweile ist es fünf nach zwölf, und ich seh‘ das in einem viel weiteren Kontext. Und meine Naturschutzaktivitäten oder Umweltschutzaktivitäten sind wirklich Aufklärung, wo wir in ein paar Jahren sein werden und dass das massiv den Menschen schaden wird. Also, es geht jetzt gar nicht mehr darum ... Es ist wurscht, ob's die Haubenlerche gibt. Aber wenn ich aus einem Ökosystem ... Das funktioniert wie ein Motor. Ich nehm lauter Stellschrauben raus und weiß gar nicht, was die machen in diesem Ökosystem. Dann nehm ich eine ganz winzige Schraube raus, und der Motor geht nicht mehr. Da wir die Ökosysteme so gut wie nicht verstehen, und wir nehmen die ganze Zeit einzelne Elemente raus, ist die Gefahr, dass das crasht, unheimlich. Das Crashen heißt, es werden Leute verhungern, sie werden kein sauberes Trinkwasser mehr kriegen. Die Kompostierung des Bodens funktioniert nicht mehr. Jetzt, so ein Tag wie heute, können wir nicht mehr durch die Stadt gehen. Wo ist die Fassadenbegrünung hier von dem Schloss? Das könnte man machen, aber alle haben noch Hemmungen. Warum passiert nichts? Eigentlich müsste in der Stadt jedes neu gebaute Haus mindestens ein Drittel oder die Hälfte der Flächen begrünen, verpflichten, sonst ...
Oder man hat da einen Nachbarn, die sagen, du musst mal zurückschneiden, das Fluch hat doch rüber, das macht dir dein ganzes Haus kaputt. Ja, das würde die Schlossverwaltung wahrscheinlich auch... Die Spatzen da drinnen übernachten und die Bienen im Herbst dann am Efeu die Blüten die letzte Tracht praktisch da noch irgendwie absammeln können und so weiter. Ein Eldorado für Kleinlebewesen und aus diesen... Zwang, den es irgendwie, diesen Ordnungszwang, dem Deutschen besonders, habe ich manchmal den Eindruck, um dem zu gefallen, muss man eben alles zurückschneiden. Und bei mir gegenüber ist dann so ein Schottergarten vorgarten, das war auch bloß so eine Rasenfläche vorher mit ein paar Büchen, jetzt ist da Schottern zum Beispiel, ne? Ich habe da eine Gegend.
Die sind ja sogar verboten, die neu anzulegen. Aber wie der Milder jetzt auch mit den Insekten gesagt, da neigen die Naturschützerinnen und Naturschutz immer dazu, wir müssen die Biene retten, nein, gar nicht. Wir brauchen die Bienen, um zu überleben. Und zwar nicht die Honigbienen, sondern alle Wildbienen. Ein Apfelbaum wird von der Honigbiene maximal zu zwei Dritteln bestäubt. Das letzte Drittel sind die, die in die halboffenen Blüten reinkommen, weil sie kleiner sind. Bei schlechtem Wetter besser fliegen als die Honigbiene. Die Honigbiene ist auch intelligent, die weiß genau, da hinten steht ein toller Baum, da fliegen sie alle hin, die erzählen sich das ja im Stock. Und der zweite Baum, der so ein bisschen mickriger ist, der kriegt dann überhaupt nichts ab, der trägt dann nichts mehr, weil die Honigbiene weiß, wo sie hinfliegen will. Also brauche ich die dumme, solitäre Wildbiene."
Auch die sind Haustiere, die Honigbienen inzwischen, und nicht mehr ganz natürlich tickend, das ist so.
Ja, und deswegen brauch ich diese kleine Wildbiene, die eben nicht die Entscheidung hat, wo sie hinfliegt, sondern den nächsten Baum nimmt. Und wenn das alles nicht mehr passt, dann kostet der Apfel vier Euro. Dann kostet ein Liter Trinkwasser, weil ich die Grundwassersanierung nicht mehr hinkriege, mehrere Euro. Und wie soll sich eine Gesellschaft leisten, die jetzt schon mit Sondervermögen und allem Drum und Dran es nicht mehr schafft, den Zusammenhalt der Gesellschaft und aber auch die Aufgaben zu finanzieren, das sehe ich schon sehr, sehr kritisch. Und was mich auch immer ein bisschen stört, ist diese Perspektive und deswegen bin ich jetzt auch dafür, dass wir ... Ich nehme eigentlich so gut wie keine Objekte mehr aus dem Ausland auf, weil das auch so, wir hier machen einen wahnsinnig schlechten Naturschutz, wir hier können uns auf unsere Forschung hier konzentrieren, wir haben hier tausend Baustellen, wir habe noch nichts verstanden von dem Ökosystem hier. Also ich muss nicht im Amazonas das machen, die Leute dort vor Ort sind auch intelligent, die haben auch studierte Leute, die kennen sich auch gut aus, die können das auch sehr gut selbst machen, wenn sie es wollen, wenn es politisch wollen. Aber zum Beispiel in Afrika gibt es kein Land, das einen schlechteren Naturschutz macht als Deutschland. Die haben besseren Flächenschutz, die haben einen kleineren ökologischen Fußabdruck, die haben viel mehr Wildtiere noch vor Ort, die spritzen weniger Pestizide, die haben weniger Düngung auf der Fläche als jetzt Deutschland. Also was soll ich denen erzählen, dass sie in Botswana ihre Elefanten schützen sollen? Ich muss es hier machen. Und diese Konstellation spiegelt sich jetzt auch ein bisschen in meinem Management für die Sammlung wieder. Ich brauche jetzt eben auch nicht die Dokumentation einer afrikanischen Fauna. Das können die dort selbst leisten. Die brauchen uns dafür nicht.
Häufig im kolonialen Kontext, ja, heutzutage dann auch gesehen, also was wir uns anmaßen, weltweit da einzugreifen, abzuräumen und weiß ich nicht, und verstehen unsere eigene Welt noch nicht so richtig, ne? Ja, und tun ja auch nichts. Und tun auch nichts extra, naja, das ist ja da. Da will ich noch zwei Sachen sagen: Der Präparator ist natürlich froh, wenn Objekte mit Arsene behandelt wurden, gegen Schadinsekten-Fras, weil die sind halt...
Der Wissenschaftler auch, sonst hätte er es nicht mehr.
Als konservierender Mensch, als Präparator, Konservator, ist er natürlich froh über sowas, weil man es ja auch nicht ständig händelt und man macht ja auch keinen Teeaufguss damit und trinkt das, das wäre dann nicht so gut. Und dann gibt es immer, das ist meine Bezeichnung, die Paradoxie des Sammelns, was häufig wird, auch nicht, ist ja da, das brauchen wir nicht sammeln. Und was selten ist, da müssen wir sammeln und da noch und da, und da und da. Und dann kommt es eben in der Sammlung zustande, dann hat man 20 Sperber und da noch wäre es. Und dann im Jahr 2002 war der Haussperrling Vogel des Jahres und dann dachten wir, wir hatten da immer kleine Ausstellungen gemacht, so Monatsvitrinen oder Jahreswesen. Haussperling, da hatten wir aus dem 19. Jahrhundert, 1879, als das Herzogliche Museum eröffnet wurde, da waren tatsächlich Männchen, Weibchen, Haussperling war da. Das waren unsere einzigen Präparate. Und dann hatte ich mal, als ich hier angefangen hab, 1979 war das, glaube ich, einen jungen Feldsperling irgendwo hier im Dorf in der Nähe gefunden. Der war tot, den habe ich präpariert, so mit dem geöffneten Schnabel, so sperrend. Aber das hat lange gedauert, bis ich dann auch mal einen Erwachsenen dazugekriegt habe, weil losgehen und einen schießen so war, da macht man nicht mehr.
Und der Feldsperling ist mittlerweile auch rar geworden.
Und der ist auch rar geworden, weil es eben diese Gehölze kaum noch gibt. Und man darf nicht vergessen, man denkt immer, ja, Körner füttern und so weiter. Die Jungen werden mit Raupen gefüttert, mit Insekten. Und die gibt es eben gehäuft im Frühjahr und dann sind die darauf angewiesen. Und darum soll man auch im Frühjahr nicht Körnern füttern. Weil die Erwachsenen das als fette Made oder weiß ich was sehen, die Jungen verfüttern und die Jungs können das aber noch gar nicht verdauen. In der Natur gibt es im Frühjahr noch keine reifen Sämereien und solche großen wie Sonnenblumenkerne schon gar nicht. Also das ist tödlich gefährlich, in was das Wort ist. Also da schlägt sich das um von gut in gut gemeint, das ist genau das Gegenteil. Das ist gut gemein. Jetzt bin ich weg vom Präparieren.
Ich wollte noch mal auf dich, also auf den Präparator bzw. auch auf die Ausbildung hinkommen. Letztlich ist das ja ähnlich wie mit den ganzen Tieren, auch die sterben ja irgendwie aus, weil es nicht mehr so wirklich Nachwuchs gibt oder auch, weil es die Ausbildungsstellen nicht mehr gibt.
Wer stirbt aus? Die Präparatoren?
Ja, was hab ich jetzt?
Ich wusste nicht, ob die Tiere meinst oder die…
Nein, nein, die Präparatoren.
Ja gut, die haben auch ein biologisches Ende, aber tatsächlich der Nachwuchs, die Förderung und so weiter, das ist immer gesellschaftliche Betrachtung und da ist man wahrscheinlich in der gesamten Gesellschaft hin und her gerissen zwischen, naja, solche alten Sachen muss man die Tiere jetzt noch erhalten oder schmeißt man die gleich weg. Das ist im Wandel und es gibt diese Präparatoren.
Aber das Interesse für Nachwuchs ist da. Wir haben oft Anfragen, ob wir ausbilden würden.
Ja.
Das Problem ist eher, dass es nur zwei Schulen gibt, die dann die begleitende Berufsschule macht. Und die einzige freie, die ist im Moment in Wien und das ist eigentlich das größere Problem.
Ja, auch die gesellschaftliche Überwertung, so ist das wichtig. Und es wird ja alles digitalisiert heutzutage, da braucht man doch keine Ausstopfer oder keine Präparatoren. Das wird erfasst und dann kann das ja eigentlich weg so ungefähr.
Das ist super spannend hier und wir könnten noch ewig weiterreden. Eigentlich sind wir schon am Ende der Sendung von der Zeit her. Ich habe noch jeweils eine ganz kurze Frage. Einmal, ich habe bei Ihnen gelesen, Sie sind Mitglied bei den Deutschen Namen der Vögel der Erde. Also wie gibt man einem Vogel einen Namen?
Also mittlerweile haben alle in der Welt anerkannten Vogelarten einen deutschen Namen erhalten. Das war aber nicht immer so, weil die Deutschen natürlich nicht alle Vögel der Welt so kannten. Und Anlass war das Handbook of the Birds of the World, also das Handbuch der Vöge der Welt, das sich zum Ziel gesetzt hat, für jede Vogelart einen deutschen, einen englischen, einen französischen und einen spanischen Namen zu haben. Und natürlich den wissenschaftlichen, der weltweit für die Wissenschaft der göttliche ist. Und da gab es eine Kommission, die diese Namen ja auch teilweise erfunden hat. Und wir benennen auch dann um, wenn zum Beispiel eine Art in zwei gesplittet wird, weil man festgestellt hat, die sind dann doch nicht fertil (fruchtbar) in der nächsten Generation. Dann sind es zwei Arten. Brauchen wir für die gesplittete neue Art dann auch wieder einen deutschen Namen und das machen wir und ein bisschen haben wir auch fiese, koloniale und nicht zutreffende Namen beseitigt. Also es wurde teilweise auch wirklich falsch, also zum Beispiel eine falsche geografische Zuordnung verwendet und teilweise eben auch herabwürdigende Namen verwendete und da versuchen wir so langsam rauszukommen.
Das wäre ein herabwürdigender Name.
Es gibt Bezeichnungen für afrikanische Ethnien, die nicht sehr freundlich sind, die also aus dem Blick des Kolonialherren getätigt worden sind. Und wenn man die dann auch in den Namen des dort vorkommenden Vogels verwendet, dann ist es schwierig.
Und die andere Frage war nochmal, weil wir jetzt immer so darüber geredet haben, dass das möglichst neutral dann vielleicht auch sein soll, das Präparat. Aber irgendwo ist doch der zoologische Präparator schon Künstler, oder? Wenn ich mir das angucke, wie du...
Er macht das künstlich, ja. Also die freie Gestaltung, dass man jetzt so völlig losgelöst was machen kann, ist es nicht. Ist auch nicht mein Ansinnen. Es muss ja immer in die Haut passen.
Also die Natur, die sendet gerade sehr eindeutige Zeichen, dass wir die Sendung beenden sollten, denn meine Schulter verbrennt gerade die Blutbuche, die sind mir so ganz, ist sehr durchlässig geworden. Deshalb würde ich sagen, wir beenden das Ganze hier und es freut mich sehr, dass Sie beide da waren und es war sehr interessant und ja, dann danke.
Danke für die Einladung. Hat Spaß gemacht. Genau. Vielleicht neue Themen.
Ja, tschüss!
Ja, tschüss.
Der Friedensteinfunk, das sind Susanne Finner-Hör, Claudia Klein und Oliver Brod. Heute haben wir unseren zoologischen Präparator Peter Mildner in den Ruhestand verabschiedet. Frank Steinheimer von der Universität Halle hat uns seine Sammlung vorgestellt. Ein Museumslöwe berichtete uns von seiner Museumsleidenschaft. Und ein alter Löwe ist zu neuem Leben erwacht.
Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Friedensteiner Funkenschlag.
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