#35: Patienten aus Stein und gepflegte Geschichte
Shownotes
Ein Schloss zu sanieren ist eine Herkulesaufgabe! Und ein Blick tief in die Vergangenheit. Neben Instandsetzungskonzepten, Zeitplanungen und Zielstellungen kommen Raum-Geschichten und kühne Statik-Lösungen vergangener Zeiten zum Vorschein. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ist die Eigentümerin des Friedensteins. Sie hat eine dreistellige Millionensumme und ein mehrere Jahrzehnte währendes Bauprojekt in Angriff genommen und führt das alte Schloss in die Zukunft. Die ersten Ergebnisse können sich sehen lassen!
Beitrag 1 Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg lebte der Künstler Alexander Camaro auf dem Friedenstein. Das damals fast verfallene Ekhof-Theater inspirierte ihn zu einem Bilderzyklus, der nun die Wände des Treppenhauses in unmittelbarer Nähe des Theaters schmückt.
Beitrag 2 Das Schlotheimkabinett verbindet das neue Treppenhaus mit der Ausstellung „Tiere im Turm“. In diesem Kabinett haben momentan die Crustaceen ihre Zelte aufgeschlagen. Die Königskrabbe hat ihren ganz eigenen Blick auf die vorbeigehenden Menschen.
Links Hier geht es zum Blog der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten: https://blog.thueringerschloesser.de/ Was die Schlösserstiftung mit dem Friedenstein vorhat: https://www.thueringerschloesser.de/themen/sanierung-von-schloss-friedenstein-gotha/
Hier geht es um das neue Treppenhaus: https://www.thueringerschloesser.de/erstes-teilprojekt-der-sanierung-von-schloss-friedenstein-in-gotha-abgeschlossen/
Und wer es sich lieber in einem Film anschauen möchte: https://www.youtube.com/watch?v=NmHKxcs1jhY
Das ist die Seite der Alexander-und-Renata-Camaro-Stiftung: https://camaro-stiftung.de/
Die Fotos haben André Kranert (Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten) und Claudia Klein (Krabbe) gemacht.
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Friedenstein-Funk #35
Transkript
Es hat überhaupt noch nie in der gesamten Zeit eine Grundsanierung erfahren.
Also bei den ersten Musterpfeilern haben wir alle den Atem angehalten.
Also ich würde mal sagen, der Hausschwamm, mit dem stehen wir auf Du und Du.
Und in welchem Jahrhundert wurde am meisten Pfusch am Bau betrieben? Was würden Sie sagen?
Friedensteinfunk, der Podcast der Friedensteinstiftung Gotha. Folge 35: Patienten aus Stein und gepflegte Geschichte.
Hallo und herzlich willkommen zu Folge Nummer 35. Heute wieder mit 2 ganz tollen Gästen. Frau Dr. Fischer von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Hallo, herzlich willkommen!
Hallo, ich grüße Sie!
Und Frau Wagner, Silvia Wagner, auch von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Hallo, herzlich willkommen!
Hallo auch von mir!
Sie leiten die Abteilung Bauten und Gärten, Frau Wagner, und Sie sind die Direktorin der Stiftung, Frau Fischer. Genau. Wer aufs Schloss kommt, der sieht erstmal nur ein Schloss auf dem Friedenstein. Wer dann aber näher hinguckt, der merkt auf einmal, dass da ganz verschiedene Akteure beteiligt sind. Natürlich die Forschungsbibliothek Gotha, dann die Friedensteinstiftung, aber auch ganz, ganz wichtig die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Während wir eher für die Sammlungen zuständig sind, ist praktisch die Stiftung, also Ihre Stiftung, so für die Hülle oder für das, worin wir uns befinden, sozusagen zuständig. Vielleicht erstmal zu Ihnen: Wussten Sie immer schon, dass Sie diese Liebe zu alten Gemäuern tragen, oder wie ist so diese Begeisterung für das Denkmal vielleicht auch entstanden?
Naja, bei mir ist es so, ich habe ja Kunstgeschichte studiert und hatte immer einen Schwerpunkt auf der Architektur, auf der historischen Architektur und insbesondere auch in der barocken Architektur. Also das zog sich durchs gesamte Studium und insofern war es klar, dass ich auch in diesen Bereich gehen würde. Und von daher ist das jetzt ganz wunderbar, mit so vielen Schlössern, Burgen wirklich auch umgehen zu dürfen.
Und wie war es bei Ihnen, Frau Wagner?
Ja, ich habe ja Architektur studiert und habe da auch sehr früh einen Schwerpunkt im Bereich der Altbausanierung und Denkmalpflege gelegt. Das kam auch daher, dass ich in einem sehr renommierten Architekturbüro als Studentin gearbeitet habe und hatte da schon mit hochkarätigen Denkmälern zu tun. Unter anderem war auch ein Auftraggeber die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Das habe ich damals gar nicht so wahrgenommen, aber das zog sich dann durch mein Berufsleben durch und bin jetzt natürlich überglücklich, dass ich ausschließlich nur mit hochkarätigen karätigen Projekten, die sie verwirklichen kann mit dem Team, weil das ist natürlich ein wunderbares Arbeiten, wenn man immer auf einem ganz hohen Niveau tätig sein darf.
Dann gehen wir mal ins Jetzt, was Sie heute machen. Also Sie stehen der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten vor und betreuen 31 der bedeutendsten Kulturdenkmale in Thüringen, darunter 12 Garten- und Parkanlagen, und Sie haben 130 Mitarbeiter. Aber vielleicht können Sie noch mal so ein bisschen genauer schildern, was Ihre Aufgaben sind, was Sie tun.
Ja, also die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten ist eine öffentlich-rechtliche Stiftung des Freistaats Thüringen und wie Sie schon sagten, 31 der landesgeschichtlich bedeutsamsten Kulturdenkmäler sind bei uns versammelt und wir sind sozusagen Eigentümer und Bauherr. Wir haben 3 Aufgaben in der Stiftung. Das Erste ist, diese Bauten instand zu setzen, sie einer öffentlichen Nutzung zuzuführen, sie natürlich auch zu verwalten. Das heißt, alles was an Mietgeschäften und dergleichen zu tätigen ist, das auch entsprechend zu tun. Und die dritte Aufgabe ist eben, diese Kulturdenkmäler, die ja wirklich von großer Bedeutung sind für den Freistaat Thüringen, auch entsprechend zu vermitteln in der Öffentlichkeit mit sehr unterschiedlichen Formaten. Also diese 3 Aufgaben haben wir und das ist natürlich sehr umfassend und insbesondere, wenn man eine Liegenschaft hat wie das Schlossensemble Friedenstein. Das ist das größte Schloss, das wir haben. Das ist auch die eine der großen und bedeutenden Gartenanlagen. Und dazu gehört auch noch das Orangerieparterre. Also das ist eine sehr umfassende und sehr komplexe Schlossanlage.
Könnte man vielleicht auch sagen, dass Sie sich um 31 sehr intensive oder sehr vielleicht auch kränkelnde Patienten kümmern?
Naja gut, historische Bauten haben natürlich immer auch so ihre Probleme. Sie haben vor allen Dingen natürlich auch eine Bausubstanz, die Jahrhunderte alt ist und die auch nicht aus einem Guss entstanden ist, sondern wirklich gewachsen ist. Da gab es immer Zeiten, in denen wurde sehr viel instand gesetzt, erweitert, modernisiert, aber es gab auch immer Zeiten, in denen eine Vernachlässigung da war. Und solche Bauschäden, die sich dann einstellen, die schleppen diese Bauten auch mit sich, und dann kommt noch ein Sanierungsstau dazu, und dann ist natürlich völlig klar, dass man so ein Gebäude nicht in bestem Zustand übernimmt. Aber man muss sich auch von der Vorstellung verabschieden, dass man einmal alles durchsaniert und nie wieder was damit zu tun hat. Diese historischen Bauten sind einfach Bauten, mit denen man immer arbeiten muss und an denen man immer etwas tun muss.
Ja, Sie haben da ja auch von Bund und Land sehr viel Geld bekommen, also das SIP, Sonderinvestitionsprogramm. 200 Millionen Euro sind's, hört sich viel an. Ist es das?
Es ist erstmal wirklich sehr viel Geld, das muss man tatsächlich sagen. Es sind ja insgesamt 260 Millionen inklusive dessen, was für den Friedenstein schon vor Jahren eben auf den Weg gebracht worden ist, und für den Friedenstein selber stehen insgesamt 110 Millionen zur Verfügung. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, das Gebäude ist etwa ab 1643 errichtet worden. Es hat überhaupt noch nie in der gesamten Zeit eine Grundsanierung erfahren. Das ist ein riesiges Schloss, allein die Seitenflügel sind etwa über 100 Meter lang und die Grundkonstruktion ist eben, wie sich jetzt gezeigt hat bei den Untersuchungen, so marode, dass wir wirklich in die Grundinstandsetzung einsteigen müssen, um die Substanz— das hört sich immer alles so neutral an, die Substanz— aber das sind natürlich wunderbare Raumkunstwerke und die gesamte Geschichte der Person, die sich damit verknüpft. Es geht darum, wirklich das Haus mit all der Geschichte, die da drin steckt, zu erhalten und das Gesamte natürlich mit den Kolleginnen und Kollegen der Friedensteinstiftung und der Forschungsbibliothek auch in die Zukunft zu führen.
Vielleicht könnten Sie, Frau Wagner, noch mal in die Substanz, die jetzt Frau Fischer schon mal erwähnt hat, noch ein bisschen Leben reinbringen. Also, Sie haben Überraschungen erfahren. Ist der Patient Friedenstein sehr krank oder ist er vielleicht auch stabil in anderen Bereichen?
Ja, wir haben den Patienten Schloss Friedenstein sehr genau unter die Lupe genommen und geschaut, in welchen Bereichen wir zunächst beginnen mit der Sanierung. Und wir haben uns jetzt im Weiteren fokussiert auf den Westflügel, Teilbereiche des Westturms sowie den gesamten Ostturm und Ostflügel, weil wir dort einfach die Situation haben, dass der Zustand der Tragkonstruktion sehr schlecht ist und andererseits für die Nutzungen, sowohl für die Friedensteinstiftung als auch für die Forschungsbibliothek, diese Flächen dringend notwendig sind für ihren Betrieb und auch, um ihre musealen Angebote weiterzuentwickeln. Ja, und das ist so, dass der Zustand sehr viel schlechter ist, als wir das im Vorfeld vermutet hatten. Wir haben sehr, sehr gründliche und sehr umfangreich die Bausubstanz, also die Deckenkonstruktion, die Tragkonstruktion untersucht, mussten deshalb auch entscheiden und uns fokussieren, wo wir die Mittel einsetzen, weil unser Ziel ist ja nicht, überall aufzureißen und ein bisschen zu reparieren, sondern wir wollen ja auch in sich abgeschlossene Projekte schaffen, die dann auch für die Nutzung und für die Besucher einen großen Mehrwert bieten und die Qualitäten des Friedenssteins auch wieder sichtbar machen. Das ist ja unser Ziel.
An einer Stelle ist das jetzt dieses Jahr sehr deutlich geworden, dass Ihnen das sehr gut gelungen ist schon. Da wurde nämlich im Mai der erste Bauabschnitt abgeschlossen und in dem Rahmen auch das Westtreppenhaus eröffnet worden. Sehr beeindruckend. Also wenn man vorher mal vorbeigelaufen ist, hat man auf einmal riesige Stahlkonstruktionen in dem Gemäuer gesehen und dachte mir, um Gottes Willen, was passiert da mit dem Haus? Aber wenn man das jetzt sieht, wie sich das einfügt in das Ganze und dieses tolle wirklich sehr ästhetisches Treppenhaus sieht, da, ja, wunderschön. Und wir können ja auch gleich mal hineingehen in das Treppenhaus. Claudia hat sich nämlich auf den Weg gemacht und hat dort mit jemandem gesprochen, die dort jetzt ausstellt.
Ein Treppenhaus ist ein Treppenhaus ist ein Treppenhaus – sollte man meinen!
Aber nicht so in Gotha! Hier ist ein Treppenhaus ein Treppenhaus – und ein Ausstellungsraum!
Ja, da hängt das sogenannte Hölzerne Theater. Das ist eine Serie, die Alexander Camaro Ende der 40er Jahre gemalt hat. Und zwar inspiriert von der Zeit, die er selber auf Schloss Friedenstein verbracht hat in den 30er Jahren.
Das sagt Paula Anke, die künstlerische Leiterin der Alexander-und-Renata-Camaro-Stiftung. Sie hat die Ausstellung im Westflügel des Friedensteins kuratiert und die 19 zurückhaltend-atmosphärischen Gemälde Camaros in Szene gesetzt.
Zu den seltsamsten, poetischsten und schönsten Engagements […] gehört die Zeit in Gotha, wo ich auf dem dortigen Schloss wohnte. Am entgegengesetzten Ende des gewaltigen Hofes war das kleine, hölzerne Theater, das mich dann später zu dem Zyklus „Hölzernes Theater“ inspirierte.
So erinnert sich der Universalkünstler, Tänzer, Maler, Hochseilartist Alexander Camaro. Mitte der 1930er Jahre war er am Landestheater Gotha-Sondershausen engagiert. Er wohnte oben auf dem Friedenstein, hatte sich die Schlüssel zum Ekhof-Theater besorgt und das alte Theater betreten, das damals schon seit 150 Jahren leer stand.
Er hat diese Atmosphäre genossen, dieses, was man da noch so spürte aus den Jahrhunderten vorher, und das hat ihn sehr, sehr beeindruckt.
Er hat ja in seiner Malerei immer Atmosphären weitergegeben. […] Das hat er mit anderen Expressionisten und Surrealisten seiner Zeit gemeinsam. Er ist aber einen ganz eigenen Weg gegangen, irgendwo zwischen der Abstraktion und der Gegenständlichkeit, etwas expressionistisch, aber nicht sehr, und manchmal ein bisschen surreal, aber wirklich nicht sehr. Und dieser sehr eigene Weg kommt auch durch diese speziellen Erfahrungen, die er hatte, die auch kaum einer sonst gemacht hat. Wer war schon in diesem Theater zu der Zeit? Er war davon bezaubert und auch diese Leere eben, diese Leere, die eben keine wirkliche Leere ist. Schwer, das zu beschreiben. Und das hat er eben sehr schön ohne Worte geschafft.
Aber eben nicht sofort. Denn Alexander Camaro hat sich ein gutes Jahrzehnt Zeit gelassen und seine Theaterbilder schließlich aus der Erinnerung erschaffen. Er hat den Zweiten Weltkrieg irgendwie überlebt, sich in den letzten Kriegsmonaten versteckt, um nicht zum Volkssturm eingezogen zu werden...
… und ist dann in Kleinmachnow nach '45 wieder aufgetaucht und hat dieses Werk, dieses Hölzerne Theater geschaffen, was für ihn also einerseits eine Art Vermächtnis war, weil er und seine Familie, er hatte damals bereits eine Tochter, die er alleine großzog zu dieser Zeit, die waren am Verhungern und er hatte von seinen Malerfreunden Farben bekommen und Malkarton und hat das sagen wollen, was er noch zu sagen hatte, und wusste nicht, wie es weitergeht, und hat sich eingeschlossen und hat diesen Zyklus gemalt.
Dieses Hölzerne Theater hat seine ganzen Künstlerkollegen und auch die ganze Kunstwelt dieser Zeit sehr beeindruckt, weil es wirklich eine Metapher war für diese direkte Nachkriegszeit. Da waren die Machthaber abgetreten und die anderen noch nicht da. Und das kann man wiederfinden, atmosphärisch, in diesen Bildern.
Den Zwischenzustand, die Leere?
Ja, die Leere und der noch von einem Fluidum gefüllte Zuschauerraum, aber keiner ist mehr da, aber man spürt es noch. […] Viel mehr kann ich dazu gar nicht sagen, weil diese Bilder haben eine so starke Atmosphäre, dass man sie auch nicht zerreden darf.
Das stimmt. Man muss sie anschauen kommen, im Westflügel des Friedensteins. Anschauen und auch anfassen, wenn man möchte.
Ich hatte geschworen, dass wir nie Faksimile-Ausstellungen von Camaro machen und dass wir auch nicht in einem Treppenhaus ausstellen würden. Ja, das haben wir… das habe ich dann revidiert, weil es wunderbare Ausstellungsräume sind, weil diese wunderbaren Ausstellungsräume ein öffentlicher Bereich [sind], der nicht bewacht werden kann, und die Bilder, so wie wir sie jetzt gedruckt haben, sehr, sehr schön die Originale hergeben. Man sieht die Rahmen, man sieht die Farben, man kann auch sofort sehen, dass es nicht die Originale sind, weil auf der Seite sieht man das Schichtenholz. Aber ich habe beobachtet, wie viele Leute mit dem Finger dran sind, was man in diesem Fall ja auch darf, und feststellen wollten, ob das jetzt wirklich… Ist das Leinwand? Ist das Karton? Ist das Holz, was ist das? Ja, man darf das in dieser Ausstellung.
Und wem die täuschend echt reproduzierten Camaro-Gemälde noch nicht genug sind, dem werden noch auch fotografische Einblicke ins Ekhof-Theater geboten: Der Erfurter Fotograf Marcel Krummrich ist unlängst durch Kulissengassen, Hintertreppen und Bühnenmaschinen des Ekhof-Theaters gestreift und hat – nicht anders als Camaro fast ein Jahrhundert zuvor – außergewöhnliche und inspirierende Blickwinkel quer durch das alte Theater gefunden. Das Treppenhaus ist also ein Treppenhaus, ein Ausstellungsraum und ein Begegnungsort zwischen barockem Theater, moderner Malerei und der Fotografie des 21. Jahrhundert.
Ja, Frau Fischer, das ist vielleicht gar nicht so naheliegend, dass man diese 3 Dinge vereint. Wie kamen Sie darauf?
Naja, wir haben vor Jahren im Angermuseum ja diese Ausstellung gesehen, Camaro und das Eckhoff-Theater, und es war uns immer klar, dass wir diese Ausstellung auf jeden Fall nach Gotha bringen müssen, also wirklich zum Eckhoff-Theater hin, weil sie dort damit verbunden ist und ihren Ursprung auch hat. Und wir haben lange überlegt, wo bringen wir diese Ausstellung unter, und dann hat sich das im Grunde genommen gefügt mit diesem Treppenhaus. Und da kamen wir auf die Idee, dass das genau der richtige Platz ist, um dort dauerhaft diese Fotografien wie auch die Faksimile der Camaro-Bilder unterzubringen. Das war uns eben wichtig, also im Grunde genommen den Westturm, der sich ja direkt anschließt an dieses Treppenhaus, wo das Eckhoff-Theater drin ist, mit dem Thema Kunst und den Sammlungen zu verbinden, und zwar auf zeitgenössische Art und Weise.
Und das, obwohl sich Frau Anke gar nicht vorstellen konnte, jemals in einem Treppenhaus ausstellen zu können. Aber vielleicht noch mal zum Treppenhaus. Warum ist überhaupt dieses Treppenhaus dort entstanden? Es gab ja eigentlich eins.
Ja, genau. Also schon seitdem wir den Masterplan aufgestellt haben für Schloss Friedenstein, schon vor 20 Jahren, war klar, dass wir genau in diesem Bereich ein Fluchttreppenhaus benötigen, weil nämlich das Treppenhaus im Westturm ein offenes Treppenhaus ist. Wir haben den Wendelstein zusätzlich noch genutzt, aber für die Größe des Bauwerks und die Besuchergruppen, die dort auch anzutreffen sind, reicht das aus Brandschutzgründen einfach nicht aus. Zudem fehlte ein Aufzug. Wir haben ja bis 2012 im Bereich der Herzogstreppe schon einen Aufzug geschaffen und es fehlt für einen barrierefreien Rundgang der zweite Aufzug. Und zudem brauchten wir auch noch Servicebereiche für Besucher. Und es war baulich eine Riesenherausforderung. Sie müssen sich vorstellen, Sie müssen die Decken öffnen, es mussten die Außenwände unterfangen werden. Für den Aufzug benötigt man eine Aufzugsunterfahrt und unser Konzept war oder sah vor, dass die neue Treppe an einer neu errichteten Mittelwand sich nach oben schlängelt, skulptural, und auch der Aufzug eigenständig eingestellt wird, sodass man möglichst wenig noch an die Außenwände ran muss.
Und ich würde vielleicht noch eins ergänzen, also es war uns auch wichtig, dass dieses Treppenhaus wirklich eine hohe Qualität und eine hohe Ästhetik hat. Es ging nicht darum, hier einfach einen Funktionsbau reinzustellen, den man dann schnell fluchtartig quasi durchschreitet, sondern es sollte wirklich also zum Bau, also wirklich adäquates Neubauteil sein, das Aufenthaltsqualität hat, das sich aber vor allen Dingen aus den historischen Materialien heraus entwickelt, ne, und man nicht das Gefühl hat, hier ist wirklich ein radikaler Bruch drin. Man sieht diesem Treppenhaus an, es ist ein modernes Treppenhaus, und trotzdem hat es die Gesamtatmosphäre praktisch des Historischen mit aufgenommen. Das macht es so angenehm, weil man dann wirklich zwanglos zwischen den Bereichen hin und her gehen kann.
Das ist ja dann auch schon was Besonderes. Also Sie sagten ja auch gerade, dass der Friedenstein noch mal aus diesem SIP raussticht, weil er eben auch mehr Geld bekommt als andere. Und im Vorgespräch sagten Sie auch gerade, dass es manchmal nur darum geht, Regenrinnen auszutauschen oder Sanitäranlagen.
Das ist übrigens total spannend. Es ist nämlich nicht nur so, dass man da einfach Dach und Fach macht, sondern mit jeder großen Instandsetzungsmaßnahme ist auch verknüpft, dass man sich ganz intensiv mit diesen Bauten beschäftigt, und zwar in der Bauhistorie wie auch in den restauratorischen Dingen. Das heißt, man erfährt unglaublich viel. Es ist letzten Endes ein Faszinosum, auch jetzt, wenn man sich mit dem Westflügel auf Schloss Friedenstein beschäftigt und man sieht, okay, das ist die bauzeitliche Schicht, dann und dann ist das und das umgebaut worden, so hat man die alten Teile integriert, man hat das und das verändert. Wussten wir ja alles vorher gar nicht. Und jetzt kann man mit Hilfe der Aktenauswertung, vor allen Dingen aber auch der Befunde sich ganz intensiv damit beschäftigen, als Grundvoraussetzung dafür zu wissen, wo liegen die Probleme, um auch wirklich adäquate Instandsetzungskonzepte zu finden. Aber das Schöne ist, dass man natürlich solche Maßnahmen, solche Neuausstattungen, solche Veränderungen immer auch verknüpfen kann mit den Bewohnern, also mit den Geschichten, die in diesen Räumen, in diesem ganzen Schloss sich abgespielt haben. Und das macht auch das Bauen so interessant, ne, also nicht nur das Technische, sondern insbesondere auch das sich mit beschäftigen.
Was waren die Ideen? Warum hat man die Räume im 2. Obergeschoss Westflügel völlig anders ausgestattet als im Nordflügel beispielsweise? Welche Funktionen hatten die denn? Warum hat man ein Fliederzimmer, jetzt Blauregenzimmer, als Audienzzimmer Anfang des 19. Jahrhunderts so intim ausgestattet? Was hat sich da verändert? All das sind Dinge, mit denen wir uns gleichermaßen beschäftigen. Und diese Erkenntnisse, die fließen natürlich auch in die Vermittlung mit ein. Und das ist das große Pfund und die, die, wie soll ich sagen, der große Glücksfall, dass wir mit der Friedensteinstiftung Kolleginnen und Kollegen haben, die die Sammlungen gut kennen. Wir kennen die Raumausstattung gut und die Erkenntnisse, wenn wir die glücklich zusammenführen, dann können wir den Friedenstein wirklich für alle Welt interessant machen.
Vielleicht doch mal zu dem, Sie haben ja eben schon Bauhistoriker angesprochen, wenn Sie so an ein Schloss rangehen, Wer ist da alles beteiligt? Also es sind ja wahnsinnig viele Gewerke oder auch vielleicht sogar die Vergabeabteilung, muss man ja auch vielleicht noch mitzählen.
Ja, das ist tatsächlich ein sehr buntes Team. Für den Friedenstein sprechen wir von ca. 50 Experten, die wir in Summe eingebunden haben. Das beginnt bei Bauhistorikern, Bauforschern, Restauratoren, Holzschutzgutachter, Tragwerksplaner, die Architekten, die Haustechnikplanung für den Bereich Heizung, Lüftung, Sanitär als auch für Wärmeversorgung, Elektrotechnik, Niederspannung und was es so alles gibt. Das sind diese ganzen Fachthemen. Und das Wichtigste ist, und das ist auch unsere Aufgabe, zu strukturieren, Aufgabenstellungen zu entwickeln, die Zielstellungen zu formulieren, weil wir müssen ja den beteiligten Experten auch die Richtung weisen. Wir müssen ja Zielstellungen vorgeben, und auch entscheiden, was genau soll untersucht werden. Man muss sie auch führen und lenken. Das ist wirklich die allerwichtigste Aufgabenstellung, weil wir haben ja immer natürlich die besten Experten ausgewählt und müssen auch in der Lage sein, deren Input zu verstehen und dann für das Team die Konsequenzen darzulegen. Und es kommt natürlich auch mal vor, dass man dann sagt, nein, diesen Weg können wir nicht weiter beschreiten. Das ist nicht der Weg, den wir als Stiftung verfolgen wollen.
Ich glaube, was auch etwas Besonderes ist und was auch nicht in allen Bundesländern ist wie bei uns, also wir als Stiftung bauen ja selber. Also wir, wir machen die Ausschreibungen, wir machen die Vergaben, wir führen das samt und sonders durch. In anderen Bundesländern ist es ja so, dass die Staatsbauämter oder wie immer sie dann auch heißen in den Bundesländern, dass die dann bauen, das Bauliche wirklich umsetzen. Aber wir machen im Grunde genommen von der Ersteinschätzung bis zur Fertigstellung alles im eigenen Haus. Und das ist natürlich dann schon eine andere Größenordnung. Und da gehören eben auch die ganzen Vergabethemen dazu, das ganze Controlling, also die ganze Verwaltungsseite, die gehört natürlich dazu. Und vor allen Dingen, wenn man 110 Millionen umsetzt jetzt für den Friedenstein, da ist ein ganzer Apparat natürlich, vor allen Dingen auch der Zeitplanung, das Controlling, das steckt alles natürlich mit dahinter. Und das muss bei uns gebündelt werden und so strukturiert und gesteuert werden.
Das wäre dann eigentlich schon ein Vorteil, dass alles bei Ihnen liegt und Sie das dann besser verzahnen können und die Expertisen besser zusammenfügen, oder würden Sie es eher auch als Nachteil sehen?
Also es hängt sehr davon ab, wie die Staatsbehörden strukturiert sind, aber ich muss tatsächlich sagen, es ist auf jeden Fall ein Vorteil, das in der eigenen Hand, im eigenen Haus zu haben. Setzt aber voraus, dass man Kompetenz und Kapazitäten hat. Das haben wir Gott sei Dank, aber das ist die Grundvoraussetzung, sonst kann das nur schiefgehen.
Ich möchte aber noch ergänzen, neben den baulichen Themen begleiten wir die Baumaßnahmen auch noch medial. Das heißt, wir haben ja den wunderbaren Block Friedenstein, der ist wirklich wunderschön geworden. Wir haben ganz viele Filmbeiträge schon erstellt, also auf den eigenen YouTube-Kanal.
Super für die Vorbereitung übrigens.
Und da kommen dann eben auch die Handwerksmeister mal zu Wort und können mal sagen, was bedeutet das für die so in so einem Projekt mal umzusetzen. Wir haben die tolle Baustellenausstellung, also wir machen ganz, ganz viel, um die Besucher auf dem Weg mitzunehmen. Wir haben auch schon über 120 Baustellenführungen gemacht und Expertenführungen, das wirklich enorm.
Wir hatten ja vorhin das Thema, im Grunde genommen ist Bauen für viele total uninteressant, ne? Und uns ist es wichtig, deutlich zu machen, warum es erstens vielleicht für manchen Außenstehenden so lange dauern mag. Warum ist das so? Wir sagen dann immer, Sie gehen ja auch nicht einfach ins Krankenhaus und lassen sich den Bauch aufschneiden. Sie wollen ja auch mal vorher vielleicht wissen, was überhaupt los ist, damit auch ein gezielter Schnitt gesetzt werden kann. Und so ist es beim Friedenstein auch. Das heißt, man muss sich damit beschäftigen, und das Ensemble Friedenstein ist auch für uns als Schlösserstiftung schon eine herausragende Baustelle. Einfach deshalb, weil der Bau riesig ist, er ist komplex und auch die Themenstellungen sind sehr komplex. Und das ist vielleicht anders als an anderen Bauten. Und das Ganze natürlich im laufenden Betrieb mit den Kollegen der anderen Nutzungseinrichtungen und das will alles koordiniert sein. Und wie gesagt, es ist eben doch eine lange Baugeschichte, die da drin steckt und bisher eben kaum veröffentlicht. Und das heißt eben eine intensive Beschäftigung mit der gesamten Anlage.
Das ist die eine Ebene. Dennoch muss man auch wissen, bei einem solchen großen Förderprojekt hängen auch sehr, sehr viele Formalitäten daran und Abstimmungsprozesse mit Zuwendungsgebern. Und die wünschten wir uns tatsächlich einfach kürzer, aber da müssen wir uns auch den Gegebenheiten stellen, und müssen akzeptieren, dass manche Prozesse gewisse Zeit benötigen. Wenn es nach uns ginge, würden wir auch manchmal schneller sein, aber wir sind ja jetzt in der glücklichen Situation, dass wir jetzt für das Gesamtvorhaben den Fördermittelbescheid haben und auch wirklich freie Fahrt für die bauliche Umsetzung der im Weiteren noch anstehenden Dinge haben, und da sind wir sehr froh.
Vor ein paar Wochen von Staatsminister Weimer und Ministerpräsident den Voigt übergeben, 150 Millionen dann symbolisch noch mal.
Oder 10.
Oh, ich glaube, es waren 150 gewesen.
Haben wir uns verlesen?
Sie haben ja eben schon die glücklichen Nutzer oder die Nutzer, die davon dann profitieren, angesprochen, und da sind wir ja auch einer, und wir profitieren jetzt auch von dem ersten Bauabschnitt, und da profitiert eine große, eine riesige Krabbe. Die jetzt zu Wort kommt.
Iiiiih, Mama! Wie eklig! Eine Riesenkrabbe!
Oh nee! Jetzt fängt das schon wieder an! Wie eklig, scheußlich, abstoßend, widerlich… tagein, tagaus das gleiche. Naturbanausen, diese Menschen! Die einen durchqueren den Raum eiligen Schrittes und würdigen uns keines Blicks. Andere bekommen es mit der Angst zu tun. Und noch andere sagen sich: Hmm… Crustaceen… Königskrabbe! Hmm… Kaisergranat! Hmm… Languste! Lecker!
Also wirklich, Jungs und Mädels! Dafür haben wir unsere kuscheligen Boxen im klimatisierten Depot nicht verlassen, oder?
Der freundliche Herr Hübner und der nette Herr Göcke haben sich mit uns Krebstieren so viel Mühe gegeben. Sie haben rezente (also heute lebende) mit fossilen Exemplaren nebeneinandergesetzt (zu Vergleichszwecken) und schön in Vitrinen arrangiert. Ich zum Beispiel sitze auf einem eigens hergestellten schwarzen Sockel, denn sonst kämen meine langen Beine gar nicht richtig zur Geltung.
Ich – die Königskrabbe – gehöre zu den höheren Krebsen, genauer gesagt zu der Familie der Decapoden, also der Zehnfüßer, die seit dem Erdmittelalter in allen Ozeanen, in Flüssen und Seen und manchmal sogar an Land anzutreffen sind.
Eine Königskrabbe wie ich bevorzugt freilich die kalten Gewässer der Nordmeere – daher auch mein zweiter Name „Kamtschatkakrabbe“. Böse Zungen betiteln mich mitunter auch als „Monster-“ oder gar „Stalinkrabbe“ und warnen vor regelrechten Invasionen von mir und meinen Artgenossen aber das ficht mich nicht an. Wie im Übrigen sehr wenig. Denn ich habe so gut wie keine natürlichen Feinde und kann mein Leben chillend im eiskalten Salzwasser verbringen und das schon seit ein paar Milliönchen von Jahren.
Überhaupt gehören die Crustaceen, also wir Krebstiere, zu den ältesten Tieren auf dieser Erde. Der Kollege Pemphix sueuri, der eine Ebene unter mir in der Vitrine liegt, der ist so alt, da staunen sogar die Dinosaurier. Mittlere Trias… sagen wir 220 Millionen Jahre? Konservative Schätzung. Ja, ja die Dinosaurier war nett mit ihnen. Irgendwann waren sie dann weg. Auch ok. Dann kam ein paar Millionen Jahre gar nichts außer Chillen und Scherenklappern. Und dann kamt ihr – die Menschen. Habt uns eingefangen, hierhin gesetzt, dorthin gebracht, angesiedelt, vermessen, beschrieben und gezeichnet und schließlich gezüchtet und gegessen.
Und gleichzeitig aber immer „iih, wie eklig“, „schau mal, diese langen Beine“, „boah, diese krassen Scheren“ und so weiter und so fort. Und wenn wir uns jetzt – wie von euch Menschen durchaus beabsichtigt – ein wenig ausbreiten und es uns in dem einen oder anderen norwegischen Fjord gemütlich machen, dann seid ihr auch nicht zufrieden. Ihr seid und bleibt eben Naturbanausen. Ich für meinen Teil kann froh sein, dass ich hier in meiner Vitrine chille und dass der freundliche Herr Hübner und der nette Herr Göcke für mein Wohlergehen sorgen. Obwohl… wenn ich dann irgendwann wieder zurück in meinen säurefreien Karton ins klimatisierte Depot kann… dann werde ich auch ziemlich erleichtert sein. Ein Leben im Dienste der Wissenschaft ist schon ziemlich anstrengend. Nicht wahr, Jungs und Mädels?!
Anstrengend empfindet es die Krabbe. Was empfinden Sie als anstrengender, die Nutzer oder den Hausschwamm?
Weder noch.
Weder noch, ja.
Nein, ich glaube, also ich würde mal sagen, der Hausschwamm ist, mit dem stehen wir auf Du und Du, würde ich mal sagen. Der ist ja im Grunde in fast jedem historischen Gebäude drin. Es ist eher erstaunlich, wenn er nicht da ist. Also der ist uns durchaus bekannt und wir wissen auch, mit ihm umzugehen. Man freut sich natürlich nicht, wenn er da ist, weil einfach die Schäden immens sind, die er anrichtet. Aber ich sage jetzt mal, das gehört zum Handwerkszeug. Mit den Nutzern, ich sag mal so, wenn die Kolleginnen und Kollegen durchaus alle, und das betrifft sozusagen alle, die am Friedenstein arbeiten, sich gewahr sind, dass man das Gesamte im Blick haben muss und zu- und abgeben muss und abwägen muss, damit man gemeinsam das beste Ergebnis erreicht, dann ist es überhaupt kein Problem. Ringt man natürlich um viele Lösungen, aber das gehört einfach dazu. Wichtig ist, dass man sich offen austauscht und dann auch gemeinsam zu Entscheidungen kommt und sie dann auch nachvollziehen kann und sie gemeinsam trägt. Ich glaube, das ist mit das Wichtigste.
Also mir geht es ähnlich, also anstrengend empfinde ich immer viele E-Mails, aber Von allen, aber nicht das Projekt. Gerade jetzt, wo wir wirklich in der super Situation sind, dass wir die Projektmittel zugesprochen haben, die Projektkonzeptionen stehen und man wirklich mit ganz viel Enthusiasmus loslegen kann, also wirklich mit der baulichen Umsetzung. Und ich finde das auch immer toll, das zu sehen, wie engagiert auch die Teams sind, nicht nur bei uns im Haus, sondern auch die Planer, und auch die Firmen, wie die mitdenken. Wir brauchen ja auch immer Partner, die auch sehr versiert sind. Nehmen wir mal den Arkadenpfeiler, den wir als Musterpfeiler im letzten Jahr saniert haben. Das geht natürlich nur im Team gemeinsam, auch mit einer sehr versierten Firma, und die waren da mit so viel Herzblut dabei. Und auch bei den jetzt im Weiteren anstehenden 6 Pfeilern erleben wir das Gleiche. Also die Motivation ist groß und das macht wirklich Spaß, das auch zu sehen, Das muss man vielleicht für den Hörer und die Hörerin noch mal erklären. Die Arkadenpfeiler sind mit 270 Tonnen überbelastet und die wurden bauzeitlich eben schon in nicht dem hochwertigen Stein, wie sich der Baumeister vorgestellt hat, errichtet, sondern mit einem minderwertigeren Stein, zumindest am West- und am Ostflügel.
Und die Tragwerksplaner hatten enorme Schädigungen am Stein festgestellt und bei weiteren Untersuchungen auch darüber hinaus festgestellt, dass auch der innere Kern nicht tragfähig ist. Und da wurde eigens eine Konstruktion entwickelt, die wie eine Krake sieht es aus, die stützt das Schloss. Der Pfeiler wird dann rückgebaut und neu aufgebaut. Das heißt, wir hatten das Glück bei den bisherigen Pfeilern, an denen wir waren, dass wir den inneren Kern stabilisieren konnten und vernageln konnten. Und dann wird das Ganze konstruktiv mit einem neuen Natursteinmantel, also Steinen aus Naturstein, wieder aufgebaut, weil bislang war es so, dass die geborgenen Quader nach Untersuchungen zeigten, dass wir die nicht wiederverwenden können. Finden wir vielleicht eine andere Stelle, an der wir das Steinmaterial einsetzen können, aber zumindest Tragkonstruktion und Lasten können die nicht mehr übernehmen. Das ist insofern anspruchsvoll, weil man ja wirklich einen statisch ganz relevanten Punkt während der Sanierung rückgängig baut und muss aber sicherstellen, dass sich im Gesamtgefüge nichts verschiebt und verändert. Das wird alles messtechnisch überwacht. Also bei den ersten Musterpfeilern haben wir alle den Atem angehalten, als erstmal die Pressen scharfgestellt wurden und das Schloss etwas angehoben wurde. Also wir sprechen da von Millimeterarbeit, aber das muss ganz präzise gearbeitet und auch überwacht werden, damit da keine Schäden entstehen.
Und das ist uns gelungen und da sind wir doch sehr froh Wie oft hatten Sie in der Vergangenheit den Moment, wo Sie dachten, oh Gott, warum muss ich das jetzt ausgerechnet machen, und dass Sie nicht mehr schlafen konnten?
Also das ist es weniger. Es ist manchmal die Kommunikation. Nehmen wir mal den Ostturm, der akut gesperrt werden musste, und uns war gleich klar, welche Auswirkungen das auch für die Forschungsbibliothek hat, für ihre tägliche Arbeit. Und das kam natürlich auch nirgendwo gut an, wenn wir jetzt sagen, wir müssen einen Bereich akut sperren, weil dort eine Situation eintritt, die unverantwortbar ist. Und wir als Eigentümer haben nun mal die Verkehrssicherungspflicht. Da können viele andere leicht daherreden, aber die Verantwortung liegt allein bei uns. Und deshalb ist es auch unsere Aufgabe, dann und wann unangenehme, für andere unangenehme Entscheidungen treffen zu müssen. Das ist sicherlich anspruchsvoll in der Kommunikation, aber wir müssen das tun. Wir haben ja da gar keine Wahl und müssen das dann auch durchstehen.
Und das tun wir In dem Fall war es die Konsequenz, dass die Forschungsbibliothek ihre Regale und Bücher innerhalb von kürzester Zeit rausräumen musste.
Also wir haben erstmal den Ostturm gesichert. Im Keller die Tragkonstruktion, die Stützen, da mussten wir einen bergmännischen Verbau errichten, dass überhaupt jemand dort arbeiten durfte. Das haben wir sehr aufwendig abgestimmt, auch mit Bauaufsichtsämtern und den Arbeitsschutzbeauftragten weil wenn Sie ein Gebäude sperren, weil es akut gefährdet ist, kann natürlich auch nicht gleichzeitig ohne Sicherung dort gebaut werden. Und nachdem wir das umgesetzt hatten, dann hat die Forschungsbibliothek begonnen, im dritten Obergeschoss ihre Bücher auszuziehen, sukzessive. Wir haben das alles messtechnisch überwacht und dann auch eine Stahlregalanlage, die auch sehr, sehr, sehr viele Tonnen gewogen hat, also da wurde noch mal deutlich, es war überlastet. Dafür war doch der Ostturm damals überhaupt nicht gebaut worden.
Das sind eben die Punkte, wo man sich mit den Partnern dann einigen muss. Bei uns war es ja so, wir würden gerne schon in dem Westflügel schon alles wieder präsentieren. Sie haben ja gerade das Fliederzimmer, oder das jetzt einen neuen Namen hat, Blauregenzimmer, schon längst wieder bespielen. Aber das sind eben die äußeren Zwänge, die Sie dann auch haben, wo es dann eben einfach noch nicht so schnell geht, wie man sich dann wünschen würde. Genau, vielleicht noch eine Frage: Was können heutige Bauherren, Ingenieure von den damaligen Bauherren aus dem 17. Jahrhundert lernen? Gibt es da was? Oder vielleicht auch andersrum?
Also ich würde mal sagen, dass die Handwerkstechniken brillant waren. Also zumindest kann man das vom Friedenstein sagen. Also es waren ausgezeichnete Zimmerleute, die da gearbeitet haben. Ich denke, das ist etwas, was durchaus die heutigen Handwerker auch sehr beeindruckt und die auch immer wieder Freude daran haben, da Reparaturen durchzuführen, weil sie wirklich auch in ihren traditionellen Techniken arbeiten können. Insofern sind diese Häuser auch immer Lernobjekte, also das muss man ganz klar sagen. Das betrifft auch das Schiefern und also im Grunde genommen die gesamten historischen Gewerke. Was man aber auch lernen kann, und das finde ich immer ganz spannend, ist, mit wie viel Mut, Verwegenheit Veränderungen in den historischen Zeiten vorgenommen worden sind. Man hat Tragkonstruktionen dezimiert, hat sie völlig herausgenommen, hat auch, was weiß ich, bei der Installation von Bädern munter die Balken abgeschnitten oder die Durchmesser verkleinert. Also man hatte offenbar so ein Grundvertrauen, dass das Haus einfach stehen bleiben wird, Und wenn man die Konstruktionen dann sieht, jetzt als wir sie gesehen haben beim Rückbau, und man sieht, wie stark in die Tragkonstruktion eingegriffen war, da muss ich also wirklich sagen, da staunt man doch über diese Verwegenheit. Und das andere ist aber, wenn man dann erkennt, was so ein Haus mitzumachen imstande ist, also welche Umlagerungsprozesse gerade bei Holzbau stattfinden und das Gesamtgefüge irgendwie dann doch noch hält, also trotz dieser massiven Eingriffe.
Das ist faszinierend, also das muss ich wirklich sagen. Das geht natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt, dann macht's Butch und dann ist es eben auch wirklich mal zusammengekracht, aber das dauert sehr lang, ne. Also diese Häuser sind wirklich lebende Organismen, das ist wirklich ein Phänomen.
Und in welchem Jahrhundert wurde am meisten Pfusch am Bau betrieben, was würden Sie sagen?
Kann man im 20. Jahrhundert natürlich, da kam auch die ganzen modernen Technologien und Materialien auf. Stichwort Holzschutzmittel. Damit haben wir in allen unseren wichtigen Schlössern zu tun, und zwar massiv zu tun. Wir haben in fast allen Objekten Lindan-, PCB-, Xylotox-Belastungen, also wirklich hochgiftige Materialien. Und das Schlimme ist, wir bekommen das auch nicht mehr raus. Wir können nur die Liegestäube beseitigen, mildern. Und dennoch haben wir beim Dachstuhl von Schloss Friedenstein, als wir den Westflügel saniert haben, mussten die Zimmermannsleute in Vollschutz arbeiten. In Vollschutz. Und die arbeiten ja körperlich. Das ist also mega anspruchsvoll, also auch das körperlich durchzuhalten. Und da kann ich ganz viele andere Beispiele noch bringen, was diese modernen Materialien, vermeintlich modernen und gut gemeinten Materialien, dann für Folgeschäden haben. Insofern zum Thema, was können die Handwerker lernen und diejenigen, die im Denkmalbereich unterwegs sind, wissen das auch. Diese traditionellen Materialien, sie sind bewährt, die funktionieren, da weiß man, wie die sich verhalten. Und vor allen Dingen das Thema Nachhaltigkeit, was ja überall großgeschrieben wird, das ist ja in unserem Metier eine Selbstverständlichkeit. Auch die Stichworte zirkuläres Bauen, dass man Materialien wiederverwendet, das ist für uns Standard. Wir müssen jetzt auch lernen, das stärker nach außen zu tragen, dass die Dinge, die für andere hip und en vogue sind, dass wir das ja schon längst umsetzen und praktizieren.
Also wir machen, wir sind wirklich nachhaltig in unserem Handeln. Und ja, das denke ich, kann man auch mal aussprechen.
Da bin ich gespannt, wo Sie unsere Arkadenpfeiler dann wiederverwerten werden. Nein, ja, das war ein Ritt durch den Friedenstein und die Baugeschichte des Friedensteins. Herzlichen Dank, dass Sie da waren. Auf weitere gute Nachbarschaft, Partnerschaft und ja, bis bald.
Ja, herzlichen Dank auch Ihnen.
Dankeschön für die Einladung.
Danke, schön, dass Sie gekommen sind.
Der Friedensteinfunk, das sind Susanne Finne-Hörr, Claudia Klein und Oliver Brod. Heute war die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten zu Gast und wir haben mit Doris Fischer und Silvia Wagner den Friedensteiner Westflügel umgebaut. Paula Anker hat einen Gemäldezyklus des Malers Alexander Camaro ins Treppenhaus gehängt, und eine uralte Riesenkrabbe hat sich über die Menschen gewundert.
Wir danken fürs Zuhören und sagen bis zum nächsten Friedensteiner Funkenschlag.
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